Nachruf auf Zenta Kopp
Mit Zenta Kopp, die bereits am 17. April 2026 verstarb, trauert der TSV München von 1860 e.V. um eine seiner erfolgreichsten Leichtathletinnen in der Geschichte des Vereins.
Die junge Kreszentia Gastl, genannt Zenta, stieß 1954 vom MTV München 1879 zur Leichtathletik-Abteilung der Löwen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich bereits unter den führenden bundesdeutschen Hürdenläuferinnen etabliert, wie ihr dritter Platz bei den deutschen Meisterschaften 1952 über 80m-Hürden belegt. Als Löwin knüpfte sie unmittelbar an diese Leistungen an, verbesserte sich bei den deutschen Meisterschaften auf Rang 2, wurde zu Länderkämpfen berufen und qualifizierte sich für die Europameisterschaften in Bern. Dort verfehlte sie als Vierte in ihrem Halbfinale den Endlauf nur knapp. 1955 holte sie dann in ihrer Spezialdisziplin den ersten deutschen Meistertitel.
Am 29. Juli 1956 folgte ein Paukenschlag, als sie bei einem Sportfest im rheinischen Frechen mit 10,6 Sekunden völlig überraschend einen neuen Weltrekord über die 80m-Hürden aufstellte. Drei Wochen später verteidigte sie ihren deutschen Meistertitel und qualifizierte sich mit diesen Leistungen für die Olympischen Spiele, die – für europäische Athlet*innen ungewohnt spät im Jahr – vom 22. November bis 8. Dezember 1956 in Melbourne stattfanden. Als Weltrekordlerin natürlich Mitfavoritin gewann sie ihren Vorlauf souverän, scheiterte jedoch im Halbfinale mit Rang 4 knapp am Finaleinzug. Wohl auch Folge eines frühen Wintereinbruchs, der eine geregelte Vorbereitung in München fast unmöglich gemacht hatte.
Auf die Olympiateilnahme folgte im Sommer 1957 die Hochzeit mit Richard Kopp, ihrem Trainer und Betreuer, der in früheren Jahren selbst als Leichtathlet beim TSV 1860 erfolgreich gewesen war. Im selben Jahr belegte wurde sie bei den deutschen Meisterschaften Zweite und belegte mit ihren Mitstreiterinnen aus der Leichtathletik-Abteilung denselben Platz auch bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft.
Die bereits zu diesem Zeitpunkt imposante Titelsammlung sollte in den folgenden Jahren noch größeren Zuwachs erhalten. 1958 folgte ein weiterer deutscher Titel über die Hürden und ein dritter Platz in der 4x100m Staffel. Nicht zuletzt dank ihres Einsatzes über 100m, die 80m-Hürden und im Weitsprung holten die Leichtathletinnen des TSV 1860 zudem erstmals die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Sie gehörte zum bundesdeutschen Aufgebot für die Europameisterschaften in Stockholm und gewann die Silbermedaille, zeitgleich mit der russischen Siegerin, ihr größter Erfolg bei einer internationalen Meisterschaft.
Das Jahr 1959 brachte ein Novum mit der ersten deutschen Meisterschaft im Weitsprung, gepaart mit dem bereits obligatorischen Titelgewinn die 80m-Hürden. Beide Titel konnte sie im folgenden Jahr erfolgreich verteidigen, dies ihre beiden letzten Einzelmeisterschaften. Insgesamt standen damit deren fünf über die Hürden sowie zwei im Weitsprung zu Buche. 1959 kamen zudem dritte Plätze in der 4x100m-Staffel und im Fünfkampf hinzu. Im diesem Wettbewerb gab es auch einen Mannschaftstitel, der an die Löwinnen ging. Und selbstverständlich stand Zenta Kopp auch in jenem Team, das zum dritten Mal hintereinander die deutsche Mannschaftsmeisterschaft für den TSV 1860 holte, die im folgenden Jahr noch einmal verteidigt wurde. 1960 in Rom war sie dann zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen am Start. Wieder bedeutete ein vierter Platz im Halbfinale das Ende, überaus unglücklich, war sie doch eine bessere Zeit gelaufen als sämtliche Teilnehmerinnen des anderen Halbfinales.
In den beiden folgenden Jahren legte Zenta Kopp, die inzwischen die Ausbildung zur Volksschullehrerin absolviert hatte, eine Pause ein. 1961 war sie Mutter von Zwillingen geworden und wollte eigentlich nicht mehr in den Spitzensport zurückkehren. Doch das Hobbytraining ließ sich so gut an, dass sie 1963 dann wieder vorne dabei. Bei den deutschen Meisterschaften landete sie im Weitsprung auf Rang 2, ebenso als Schlussläuferin der 4x100m-Staffel. Im Fünfkampf belegte sie sowohl im Einzel wie mit der Mannschaft den dritten Platz.
1964 folgte ihre vierte deutsche Mannschaftsmeisterschaft mit dem Team der Löwinnen. Dazu kamen ein zweiter Platz über die 80m-Hürden und ein dritter im Fünfkampf. Erneut wurde sie für die Olympischen Spiel nominiert, konnte in Tokio dann jedoch wegen einer Verletzung kurzfristig nicht an den Start gehen.
Bereits seit 1960 lebte Zenta Kopp mit ihrer Familie in Brüssel, wo ihr Mann, wie anfangs auch sie, an der Europäischen Schule unterrichtete, dies bis 1965. Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn wurde sie zum dritten Mal Mutter. Es folgten weitere Auslandsaufenthalte, in deren Rahmen Richard Kopp an den Deutschen Schulen in Teheran (1970-1975) und Gran Canaria (1982-1989) unterrichtete. Die Zeit im Iran nutzte sie zum Erlernen der persischen Sprache Farsi. Im Alter lebte sie in Garmisch-Partenkirchen, unternahm ausführliche Wanderungen in die Berge, spielte Tennis und traf sich mit ehemaligen Trainings- und Teamkameradinnen und -kameraden aus ihrer Zeit als Leistungssportlerin.
„Ich hatte ein tolles Leben“, sagte sie 2020 in einem Zeitzeugengespräch mit der Abteilung Vereinsgeschichte. Ein Leben, das am 17. April 2026 zu Ende gegangen ist. Mit Zenta Kopp verliert der TSV 1860 eine große Sportlerin und beeindruckende Persönlichkeit. Möge sie in Frieden ruhen.