Trauer um Karsten Wettberg

Der „König von Giesing“, Karsten Wettberg, ist am Sonntag, 29. März 2026, nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren friedlich eingeschlafen. Der TSV München von 1860 e.V. trauert nicht nur um eine Trainer-Legende und eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte der Löwen, sondern auch um seinen ehemaligen Vizepräsidenten und Mitglied des Aufsichtsrats.

Vor sieben Jahren hatte Karsten Wettberg Glück im Unglück. Bei einer Routineuntersuchung wurden verengte Blutgefäße am Herzen diagnostiziert. „Die Ärztin hat bei der Untersuchung gesagt: Ohne ihren Fitnesszustand und ihren Willen wäre längst etwas passiert“, erzählte er gerne. Es folgten zwei Eingriffe am Herzen, dabei wurden sechs Stents gesetzt, zur Weitung der Gefäße. Anschließend ging’s zur Reha in der Bayerwaldklinik bei Cham. Danach war Wettberg wieder der Alte, stand nicht nur bei Benefizspielen an der Seitenlinie, sondern schnürte dabei mit über 80 Jahren noch selbst die Fußballschuhe. Viele seiner Gegenspieler und teilweise auch Mitspieler konnten seine Enkelkinder sein.

Geboren wurde Wettberg am 10. November 1941 im brandenburgischen Friesack. Sein Vater war dort evangelischer Pfarrer. Als Karsten drei Jahre war, floh seine Mutter kurz vor Kriegsende mit den Kindern vor den Russen. Seinen Vater verschlug es später nach Mainburg, wo die Familie heimisch wurde. So wuchs Karsten Wettberg in der Holledau auf.

Seit 1974 wohnte Wettberg im niederbayerischen Elsendorf (Landkreis Kelheim). Als Spieler blieb er seinem Heimatverein FC Mainburg treu, wo er im Alter von neun Jahren mit dem Fußball spielen begonnen hatte. „Ich war Rechtsaußen oder Halbstürmer und ziemlich schnell. Und gut!“, charakterisierte er sich selbst.

Seine Trainerkarriere begann der wohl erfolgreichste deutsche Amateurcoach bei der SpVgg Unterhaching im Jahr 1987. In der Saison 1990/1991 kam er dann zum TSV 1860 München, wo ihm der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelang. In der Zeit von Februar 1990 bis Juni 1991 legte er mit seiner Mannschaft eine sensationelle Serie von 54 Pflichtspielen ohne Niederlage hin.

Den Titel „König von Giesing“ bekam er bei der Ehrung zum Aufstieg 1991 in die 2. Bundesliga auf dem Rathausbalkon vom damaligen Münchener Oberbürgermeister Georg Kronawitter verliehen. „Darauf bin ich richtig stolz“, ließ Wettberg keine Zweifel daran, was ihm die Zeit als Löwen-Coach bedeutete. Weitere Stationen in seiner Trainerlaufbahn waren unter anderem der FC Augsburg, der SSV Jahn Regensburg und die SpVgg Landshut.

Als sein aufregendstes Spiel in seiner langen Trainerkarriere bezeichnet Wettberg die Relegationsbegegnung um den Aufstieg mit den Löwen. „Wir haben 1991 mit Sechzig in Kassel 2:0 gewonnen und den Aufstieg in die 2. Liga nach neun Jahren Bayernliga so gut wie perfekt gemacht.“ Emotionen waren für Wettberg selbstverständlich. So kam es nach dem Aufstieg zum berühmten Fernseh-Interview in Unterhose. Auch die Regenschirm-Szene ist legendär.

Insgesamt errang Wettberg 52 (!) Titel in seiner Trainerkarriere. Alles im Nebenberuf versteht sich. Bis 2002 arbeitete er als Postoberamtsrat. Auch neben dem Platz war er stets aktiv. So saß er ab 2002 im Kreistag des Landkreises Kelheim. Bei den Landtagswahlen im September 2008 kandidierte er für die SPD in Niederbayern. Schon 2006 wurde ihm für seine diversen Engagements der Bundesverdienstorden verliehen. Auch bei den Löwen engagierte sich Wettberg. Zwischen 2007 und 2008 war er Vizepräsident des TSV 1860 München, danach noch kurzzeitig im Aufsichtsrat tätig. Außerdem war er für den Verein ehrenamtlich als Scout-Tätigkeit.

Darüber hinaus war Wettberg immer sozial engagiert. So wurde ihm die Ehrenspielführer-Würde des FC Sternstunden, der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, verliehen, für die er über 100 Spiele absolvierte und zu den eifrigsten Spendensammler gehörte. Außerdem organisiert er immer wieder Spenden-Aktionen für den ehemaligen Löwen-Stürmer Olaf Bodden, der an einem Chronischen Erschöpfungssyndrom leidet.

Meistens hatten seine Wohltätigkeitsaktionen einen sportlichen Charakter, wie z.B. die „Liegestützen für den guten Zweck“. Da trat Wettberg 2018 mit 77 Jahren gegen den früheren Ingolstädter Andreas Buchner an und gewann, obwohl er 44 Lenze mehr auf dem Buckel hatte als der Ex-Profi. Denn ehrgeizig war er bis ins hohe Alter. Bei Benefizspielen reagierte er sauer, wenn er ausgewechselt wurde oder wenn ein Nebenspieler nicht das nötige Engagement an den Tag legte. Da kannte er kein Pardon! Mitspieler wie Benny Lauth, Stefan Lex oder Bernhard Winkler können ein Lied davon singen.

Etwas zu bereuen hatte Wettberg auch im hohen Alter nicht. „Alles, was ich getan habe, habe ich immer in bester Absicht gemacht. Ich bin zweifellos einer, der sich immer gern in Dinge einmischt. Den Mund zu halten, passt nicht zu meinem Charakter“, sagte er einmal in einem Interview der tz. Auch von seiner Aussage, „1860 ist wie Rauschgift“, rückte er auch im Alter nicht ab. „Das ist nach wie vor ein einmaliger Verein. Allein, wenn man sich vor Augen führt, was dieser Klub und seine Fans erlebt haben!“

Zuletzt war er nicht mehr so oft im Grünwalder Stadion zu sehen, weil er aus gesundheitlichen Gründen selbst kein Auto mehr lenken konnte und immer einen Chauffeur brauchte. Über seine Löwen war er aber trotzdem immer bestens informiert.

Der TSV 1860 München wird im Heimspiel am kommenden Samstag, 4. April 2026, seinem ehemaligen Trainer und Vizepräsidenten gedenken und in Trauerflor im Drittligaspiel gegen Waldhof Mannheim antreten.

In tiefer Trauer verabschiedet sich der Verein von Karsten Wettberg. Er war nicht nur eine Trainer-Legende, sondern ein Mensch, der sich immer für andere eingesetzt hat. Er hat weit über die Grenzen von Giesing tiefe Spuren hinterlassen. Ruhe in Frieden!


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