In den Zwanziger Jahren entwickelten vier Sechzger – der Bootbauer Alois Deffner, die Fußballer Albert Mühleisen und Ludwig Brück, sowie der Hockeyspieler Franz Kellner – aus dem gemeinsamen Interesse am Faltbootsport die Idee eine entsprechende Abteilung im TSV München von 1860 e. V. zu bilden. 1922 kam es daher zur Gründung der Faltbootabteilung. Die ersten Mitglieder waren: Max Kaltenbrunner, Sepp Maier, Max Tröger, Rudolf Kühne, Adolf Römer, Albert Mühleisen, Lulu Lankes, Otto Lankes, Rosef Ringholz und Herr Höfer (Vorname unbekannt).

Links: Auf der Isar (6.5.1923), Mitte: Starnberger Staffetenfahrt (1925), Rechts: Faltbootfahrt 1940

Bereits wenige Jahre nach der Entstehung der Abteilung konnte neben erfolgreichen Teilnehmen an Faltbootregatten der erste sensationelle Erfolg erreicht werden: das Duo Lampel/Schweiger wurde 1925 Deutscher Meister im Zweier-Faltboot über 10.000 Meter.

In der Saison 1924/25 erhielt die Abteilung von der Stadt München ein Gründstück an der Zentralländstraße in Thalkirchen auf Pacht. In dieser Zeit entstanden dort, auf einer mit Bauschutt aufgeschütteten Isarinsel, eine „Bootshauskolonie“ mit den Vereinsheimen und der Bootschuppen der Münchner Kanugruppen. Da der Auf- und Abbau der Faltboote damals viel Platz benötigte verfügen alle diese Grundstücke über große Rasenflächen. In Eigenregie wurde bis 1927 das noch heute stehende Bootshaus von zehn Mitgliedern der Abteilung in Fachwerkbauweise errichtet.

Über die Faltbootabteilung während des 3. Reiches ist fast gar nichts bekannt. Lediglich einige Fotos von Ausflügen im Jahr 1940 (u. a. auf der Isar) haben sich uns erhalten.

Das Bootshaus überstand den Krieg fast unbeschadet, so dass der Fußball-Platzwart Popfinger  hier mit seiner Familie (sowie einigen Hühnern, einem Schwein und einer Ziege zur Selbstversorgung) Unterschlupf beziehen konnte.

Personell kam es zu einem größeren Umbruch, nur wenige der Vorkriegsmitglieder waren noch aktiv – u. a. Max Kaltenbrunner als Kassier des Hauptvereins.

Mit wenig, von den Mitgliedern selbst ersparten Bootsmaterial, traute sich eine junge Truppe unter dem Abteilungsvorstand Viktor Pascolo wieder auf die Flüsse der Region. Autos standen zu dieser Zeit natürlich nicht zur Verfügung, man gelangte mit der Bahn, oder später mit dem Motorroller, zu den Flüssen. Im Jahr 1961 war Herr Burgmayer Abteilungsleiter, allerdings wurde er bereits ein Jahr später von Max Hermann (Foto links) abgelöst. Unter diesem, der den Kanuten von 1962 bis 1993 vorstand, war die Abteilung im Wettkampfsport (vor allem Wildwasserabfahrtsrennen) überaus erfolgreich. U. a. konnte 1970 im Wildwasserrennen auf der Loisach in der Einer-Canadier-Mannschaft (Jiri Smejkal, Peter Vlczek, Eugen Weimann) erneut ein Sieg bei der Deutschen Meisterschaft errungen werden. Die Breitensportler des Kanusports waren zu dieser Zeit eher geduldet.

Das Bootshaus wurde unter Pascolo und Hermann weiter ausgebaut: 1957/58 wurde der Saal saniert und mit einer Wandvertäfelung versehen, die durch eine Spende von Robert Schiessl ermöglicht wurde. 1969 wurde die heutige Werkstatt als zusätzlicher Bootschuppen errichtet, 1971/72 dann die neue Bootshalle. Der alte Bootsraum im Bootshaus konnte daher dann zur Umkleide bzw. zum Kraftraum umgebaut werden.

Unter Hermann entstand dann auch 1975 die Idee, die Kanuabteilung selbstständig zu führen. Nach außen trat man daher nun nicht mehr als Faltbootabteilung, sondern als „Kanu-Club“ auf (noch heute schmückt ein solches Schild die Bootshausfassade). Der Hauptverein wehrte sich gegen solche Autarkiebestrebungen, so dass die Abteilung ab 1976 unter dem Namen „Kanuabteilung“ firmierte – im Gegenzug dafür stellte der Hauptverein damals mehr Finanzmittel zur Verfügung.

Als Max Hermann 1993 verstarb verlor die Abteilung ihren Leiter, ihren Manager, ihren Trainer, ihren Bootshauswart… Es wurde ruhig an der Zentralländstraße. Dem neuen Abteilungsleiter, Karl Müller, gelang es nicht die Abteilung mit Leben zu erfüllen. Daher kam es am 26.9.1994 zum Zusammenschluss mit der Segel- und Surfabteilung. Mit dieser bildete man nun gemeinsam die Wassersportabteilung.

Die Segel- und Surfabteilung war am 25.4.1979 als Windsurfabteilung gegründet worden und konnte selber nie auf mehr als zwei dutzend Mitglieder kommen. Sowohl die Kanu- als auch die Segel- und Surfabteilung waren zu der damaligen Zeit nicht alleine überlebensfähig. Gemeinsam, als Wassersportabteilung unter Leitung von Max Weigl (Foto links) konnte die Abteilung aber gedeihen und wachsen. Von 62 Mitgliedern im Jahre 1994 wuchs die neue Abteilung auf 82 (1995), 90 (1997) und 95 Mitglieder (1999). Max Weigl wandte sich nun den Breitensport zu und konnte gerade zahlreiche Jugendliche zum Kanusport bringen. Als Segler, Surfer und auch Kanute konnte er alle Sportarten leiten und fördern. Nach fünfzehn Jahren wurde Max Weigl 2009 von Walter Rindleisch abgelöst, der 2010 sein Amt an Hannes Gräbner abgab. Da nach Weigls Rückzug kein Abteilungsleiter alle Sportarten selbst beherrschte wurde die Binnenstruktur der Abteilung umgestaltet: Es wurden die Unterabteilungen bzw. Sparten Kanu und Segeln gegründet und deren Leitern die Kompetenzen für den jeweiligen Sportbetrieb gegeben. Dank dieser Spezialisierung konnte die auf 84 Mitglieder (2007) geschrumpfte Abteilung auf einen neuen Rekord von 140 Mitgliedern (2018) vergrößert werden. 2015 übernahm der bisherige Spartenleiter Segeln, Franz Schmid, die Abteilungsleitung und wurde 2017 von Patrick Brose abgelöst.