Zum 75. Todestag von Heinrich Zisch

Vor 75 Jahren starb Heinrich Zisch – Erinnerung an eine prägende Gestalt der Vereinsgeschichte des TSV München von 1860. Anton Löffelmeier erinnert an die Persönlichkeit, die als aktiver Turner und Sportler, als Riegen- und Abteilungsleiter, als Vorsitzender und als Mäzen und Förderer prägende Spuren hinterlassen hatte.

Als Heinrich Zisch am 23. Juli 1947 verstarb, arbeitete er gerade an einem Vereinsrundbrief. Eigentlich war er schon vor 15 Jahren von allen Ämtern zurückgetreten und hatte sich ins Privatleben zurückgezogen. Mit seinen Nachfolgern, die den Nationalsozialisten nahestanden und neben ihrer Führungsrolle im Verein noch viele Posten in der NSDAP und in den angeschlossenen Verbänden innehatten, wollte er nicht viel zu tun haben. Anlässlich seines bevorstehenden 50-jährigen Mitgliedsjubiläums verbat er sich 1936 sogar jede öffentliche Feier. Der NSDAP trat er nicht bei.

Heinrich Zisch starb vor 75 Jahren und war eine der prägendsten Gestalten in der Vereinsgeschichte.

Nun befand er sich aber bereits seit zwei Jahren wieder in einer Führungsrolle im Verein, weil die amerikanische Militärregierung und auch die neue Stadtverwaltung aus dem ehemaligen Führungszirkel des Vereins niemanden mehr an der Spitze des Vereins akzeptieren wollten. Unbelastete ehemalige Führungskräfte waren kaum vorhanden. So gehörte Heinrich Zisch zu den Wenigen, die von den Amerikanern und der neuen Stadtspitze angehört wurden und Zugang zu den Verantwortlichen bekamen. Dabei gab es große Probleme zu lösen: Das Vereinsheim an der Auenstraße 19 war weitgehend zerstört, das schwer beschädigte Stadion an der Grünwalder Straße war nur notdürftig für den Spielbetrieb hergerichtet und den Sport- und Turnabteilungen fehlten Trainingsplätze und Übungsräume.

Bereits am 31. August 1945, kurz nachdem er von Hohenlinden in die Stadt zurückgekommen war, wandte sich daher Heinrich Zisch an Oberbürgermeister Karl Scharnagl mit der Bitte um eine Aussprache. Dieser verwies ihn an Anton Fingerle, der als neuer Stadtschulrat zuständig für den Sport war und die Vorbehalte der amerikanischen Militärregierung kannte. Fingerle empfahl Zisch, vorsichtig zu agieren: Der Verein solle zunächst „in privater Form und unter Vermeidung eines versammlungsähnlichen Treffens … verhandeln“. Außerdem seien die Fragebogen der für die Weiterführung des Vereins vorgesehenen Personen den verantwortlichen Stellen vorzulegen. Ausschlaggebend für die Zulassung des Vereins blieb damit die Militärregierung.

Nun nahm zwar die erste Fußballmannschaft seit November 1945 am Spielbetrieb der Süddeutschen Oberliga teil und in vielen Abteilungen hatte man den Übungs- und Wettkampfbetrieb wieder aufgenommen, aber die offizielle Lizenz der Militärregierung ließ weiter auf sich warten. Die Amerikaner zögerten im Jahr 1947 immer noch. Persönlich musste Heinrich Zisch im Frühjahr 1947 einen schweren Schicksalsschlag erleiden: Seine Ehefrau Johanna verstarb nach über 50-jähriger Ehe am 20. Mai.

Im Sommer 1947 mehrten sich nun die Anzeichen, dass seine Bemühungen um die Lizenzierung des Vereins erfolgreich enden könnten. Auch waren Personen gefunden, die Aussicht hatten, von der Militärregierung akzeptiert zu werden. Allerdings durfte Heinrich Zisch den Erfolg seiner Bemühungen um die Wiederzulassung des Vereins nicht mehr erleben. Wenige Wochen nach seinem Tod, im August 1947, konnte unter dem Vorsitz des 75-jährigen Ehrenmitglieds Josef Ritter von Gum in der Gaststätte „Straubinger Hof“ eine Mitgliederversammlung abgehalten werden. Auf ihr wurden der Kaufmann Alfred Radschuweit zum ersten Vorsitzenden und Hans Winkler, der Leiter der Turnspielabteilung, zu seinem Stellvertreter gewählt. Unter ihrer Führung konnte der Verein am 24. September 1947 endlich die Lizenzierung erlangen.

Damit war die Zukunft des Vereins gesichert, in dem Heinrich Zisch über Jahrzehnte hinweg als aktiver Turner und Sportler, als Riegen- und Abteilungsleiter, als Vorsitzender und als Mäzen und Förderer prägende Spuren hinterlassen hatte. Das Stadion an der Grünwalder Straße trug über Jahre hinweg seinen Namen. Heinrich Zisch wurde am 28. September 1869 in Landshut als Kind des Handwerkerehepaares Karl und Anna Zisch geboren. Sein Vater war Steinmetz und zog im Jahr 1875 mit seiner Familie (neben Heinrich noch drei Schwestern) nach München. Heinrich erlernte den Beruf des Kaufmannes und war in verschiedenen Firmen als Commiss (= Kaufmannsgehilfe, Kontorist), Vertreter und Buchhalter tätig. Am 4. Mai 1886 trat er dem Turnverein München von 1860 bei. Offensichtlich hatte er turnerisches Talent, Trainingsfleiß und bald auch Erfolge, die im Verein Anerkennung fanden.

Nachdem er von 1891 für drei Jahre aus beruflichen Gründen nach Dillingen a.d. Donau verzogen war, finden wir ihn bald nach seiner Rückkehr im Oktober 1894 als Turnwart und Vorturner des TV von 1860 erwähnt. Am 28. Januar 1896 heiratet er in München die 27-jährige Johanna Nothaft, Tochter eines Getreidemessers aus Plattling. Das Ehepaar wird drei Töchter haben.

Heinrich Zisch liebte das gesellige Vereinsleben und beteiligte sich aktiv an der Vorbereitung und Durchführung von vielerlei Veranstaltungen. Der Bau der Kegelbahn im Untergeschoss der Turnhalle im Jahr 1905 ging wesentlich auf seine Initiative zurück. Das später als legendär bezeichnete „Ballfest“ des Jahres 1907 gestaltete er mit dem Kunstmaler Carl Moos. Bei Großveranstaltungen vor dem Ersten Weltkrieg war er stets unter den Organisatoren zu finden.

Obwohl Heinrich Zisch vielfältige Funktionen in der Turnabteilung innehatte, fand er mit anderen jungen Turnern durchaus Gefallen an den neuen Sport- und Turnspielen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert überall in Deutschland eine wachsende Anhängerschaft fanden. Diese neue Bewegung führte in vielen Turnvereinen zu Diskussionen und Vereinsausschlüssen, da die Deutsche Turnerschaft mit den modernen „English Sports“ nichts anfangen konnte und Begriffe wie „Sportlümmelei“ die Runde machten. Bei den Löwen gelang es jedoch, die Anhänger der neuen Sportbewegung im Verein zu halten und sie mit der Bildung von neuen Spiel- und Sportriegen in den Turnverein zu integrieren. Das mag ein Verdienst einflussreicher junger Turner wie Heinrich Zisch gewesen sein, die selbst gerne die neuen Sportspiele wie auch die leichtathletischen Übungen erprobten und sie als wertvolle Ergänzung des bisherigen Übungsprogramms sahen. So gehörten mit Anton Leistl, Heinrich Zisch, Dr. Hans Haggenmüller und dem Kunstmaler Carl Moos auch Mitglieder aus der Vorturnerschaft des Vereins zu den Gründervätern der 1899 gegründeten Spielriege, aus der die spätere Fußballabteilung hervorging. Auch die Bergsteigerriege wurde 1901 von Heinrich Zisch mitbegründet. Die Sportbewegung hatte dem Verein einen rapiden Mitgliederzuwachs gebracht. Die Mitgliederzahl stieg von 1.739 im Jahr 1900 auf 2.695 zum Jahresende 1908.

Die Sportbewegung faszinierte Zisch. Im November 1908 übernahm er den Vorsitz der neuen „Sportsabteilung“, in der sämtliche „sportlich tätigen Abteilungen des Vereins“ zusammengefasst waren, wie etwa die 1907 gegründete Skiabteilung, die Schwimmriege, die Naturriege (später Leichtathletikabteilung) und auch die Fußballmannschaften. Von 1910 bis 1914 leitete er auch die aufstrebende Fußballabteilung, der im Frühjahr 1909 mit dem Gewinn der Münchener Frühjahrs-Bundesmeisterschaft der bisher größte Erfolg gelang. Trotz der eher lokalen Bedeutung des Titels brachte er den Sechzgern überregionale Aufmerksamkeit, da man mit dem MTV von 1879 und dem FC Bayern zwei spielstarke Mannschaften hinter sich gelassen hatte. Die Fußballabteilung wurde nun vermehrt nach Auswärts eingeladen, was nicht zuletzt ein Verdienst des neuen Abteilungsvorstandes Heinrich Zisch war, der frischen Wind in die Abteilung brachte. Rückblickend stellte eine Reimchronik fest: … „Ein frischer Wind erhob sich jetzt; das Reisen wurde sehr geschätzt. Ja mehr als Tausend Kilometer legt man zurück zum Kampf ums Leder. Nach Innsbruck, Offenbach und Graz, nach Karlsbad fuhr man, in die Schweiz wär allzugerne man gereist.“

Heinrich Zisch bastelte jedoch an einem großen Traum, nämlich eine neue Stadionanlage nicht nur für das „lukrativ“ gewordene Fußballspiel, sondern auch als Wettkampf- und Übungsplatz für die anderen Spiel- und Leichtathletikabteilungen des Vereins zu schaffen. 1911 nahm der Traum Gestalt an. In diesem Jahr konnte unter Federführung von Wilhelm Hilber, zweiter Vorsitzender der Fußballabteilung, eine bis dahin landwirtschaftlich genutzte Fläche an der Grünwalder Straße von der Giesinger Familie Peter zur Errichtung einer Stadionanlage gepachtet werden. Der neue Sportplatz an der Grünwalder Straße wurde für 14.000 Mark gebaut. Rund um das Fußballspielfeld legte man Leichtathletikanlagen an. Die Baugesellschaft Syrus Süss Nachfolger errichtete die zwölf Meter lange Holztribüne, die 160 überdachte Sitzplätze bot und in der auch Garderoben und Waschräume untergebracht waren. Wegen ihrer Form wurde die Holzkonstruktion von den Münchnern als „Zündholzschachterl“ bezeichnet. 1860 war somit der vierte Münchner Verein nach dem Münchner SC, dem FC Wacker und dem MTV 1879, der auf einem Sportplatz mit Tribüne spielen konnte. Im Jahr 1912 wurde das südlich angrenzende Grundstück ebenfalls gepachtet und darauf ein Fußball-Trainingsplatz errichtet.

Die Verdienste Heinrich Zischs um den Stadionbau würdigte der Verein dadurch, dass man 1927 das Stadion mit „Heinrich-Zisch-Stadion“ benannte.

Der Erwerb des Areals gelang dann 1922 – mit Heinrich Zisch als Spender und Darlehensgeber. Er ist inzwischen als Verkaufsdirektor bei den Siemens-Schuckert-Werken in München in eine berufliche Stellung gelangt, die ihm ein gutes Einkommen ermöglichte. Unter anderem mit seinem Darlehen wurde es möglich, auf dem 2,5 ha großen Grundstück ein richtiges Stadion zu bauen. Das Gelände wurde nun zum „Sechzger-Platz“, das Zündholzschachterl wich 1925 einer überdachten Sitztribüne mit bis zu 1.600 Sitzplätzen, und gegenüber, im Bereich der heutigen Gegengeraden, entstand 1925/26 in zwei Ausbaustufen die berühmte Stehhalle, in der bis zu 25.000 Menschen Platz fanden. Am Ende gab es im Stadion 35.000 Plätze – es war damals die größte Arena in Süddeutschland. Auch andere Münchner Klubs spielten dort. Der FC Bayern war Mieter bei den Löwen. Die Verdienste Heinrich Zischs um den Stadionbau würdigte der Verein dadurch, dass man 1927 das Stadion mit „Heinrich-Zisch-Stadion“ benannte.

Inzwischen waren aber im Verein grundlegende Veränderungen eingetreten: Der Streit zwischen der Deutschen Turnerschaft und den unabhängigen Fachverbänden für Fußball, Leichtathletik und Schwimmen um die wechselseitige Mitgliedschaft in den jeweiligen Verbänden gipfelte im Jahr 1923 in der Forderung der Deutschen Turnerschaft an ihre Vereine, die „reinliche Scheidung“ durchzuführen. Das bedeutete, entweder die Sportler aus dem Verein auszuschließen oder sich für einen Übertritt in einen der Fachverbände zu entscheiden. Der TSV München von 1860 gliederte deshalb 1924 die Fußball- und Leichtathletikabteilung durch Gründung eines „Sportvereins München von 1860“ (SpV München 1860) aus dem Verein aus und benannte den Hauptverein wieder in „Turnverein München von 1860“ (TV München 1860) um. Beide Vereine wurden unter dem Dach eines gemeinsamen Verwaltungsrates zusammengefasst, so konnte man den Zusammenhalt des Vereins wahren. Heinrich Zisch war nun Vorsitzender des Sportvereins München von 1860.

Die für den Ausbau des Stadions aufgenommen hohen Darlehen belasteten jedoch Turn- und Sportverein enorm, zumal die Einnahmen aus der Vermietung der Stadion- und Platzanlagen nicht ausreichten, um die Hypothekenkredite ordentlich zu bedienen. Vor allem der Turnverein geriet in eine finanzielle Schieflage. Die 1929 ausbrechende Weltwirtschaftskrise verstärkte diesen Trend noch einmal erheblich. In dieser Krisensituation übernahm Heinrich Zisch auch den Vorsitz des Turnvereins und war damit mit beiden Vereinsführungen und dem Vorsitz im Verwaltungsrat die bestimmende Kraft im Verein. Ob er das so gewollt hat, weiß man nicht. Vielleicht erhoffte man sich unter einer starken Führung eine Besserung der desolaten Finanzlage. Diese trat jedoch nicht ein: Rückläufige Beitragseingänge, die nicht nur aus dem Mitgliederschwund, sondern auch aus der hohen Arbeitslosigkeit der Mitglieder resultierten, verringerten die Einnahmeseite noch einmal. Im Sommer 1931 waren 40% der Mitglieder arbeitslos. Seit 1932 konnte der Turnverein die aus dem Stadionbau herrührenden Zins- und Tilgungsbeiträge an die Städtische Spar- und Girokasse nicht mehr bezahlen.

Im Juni 1932 legte Heinrich Zisch den Vorsitz im Turnverein nieder, den Vorsitz im Sportverein behielt er bis zum Jahresende 1932 bei. „Innere Kämpfe, mein Stolz und mein Ehrgefühl zwangen mich hierzu“, schrieb er dazu im Nachrichtenblatt des Vereins, das Anfang März 1933 erschien. Sein offener Brief an die Vereinsmitglieder endete mit dem Aufruf: „Haltet fest und treu zusammen, dann wird auch diese schwere Zeit überstanden!“ – Die schwere Zeit hatte wenige Tage zuvor mit dem Reichstagsbrand vom 28. Februar und den unmittelbar darauf verkündeten Notverordnungen des Reichspräsidenten Hindenburg, die Adolf Hitler den Weg zur Diktatur ermöglichten, allerdings erst ihren Anfang genommen.

Bereits unter dem Eindruck nationalsozialistischer Unterdrückungs- und Verfolgungsmaßnahmen fand dann am 15. März 1933 die jährliche Hauptversammlung des Sportvereins von 1860 statt, auf der es zunächst die Verdienste des zurückgetretenen Vorsitzenden Heinrich Zisch zu würdigen galt. „Unter nicht enden wollendem Beifall“ der Mitglieder wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Daraufhin wurde der bisherige langjährige Stellvertreter Robert Werner (er leitete seit 1918 die Skiabteilung) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Zu dessen Stellvertreter wählte man Walter Fritz, den Vorsitzenden der Leichtathletikabteilung.

Auch der Turnverein ernannte Heinrich Zisch am 28. März 1933 in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden. Allerdings fehlt im Protokoll der Hinweis auf Beifallskundgebungen seitens der Anwesenden – vielleicht ein Hinweis darauf, dass die neue Führungsschicht mit Zisch im weniger guten Einvernehmen stand. Sein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden wurde der politisch als deutsch-national geltende Wilhelm Hacker, ehemals erfolgreicher Turner und seit Jahrzehnten in vielen Funktionen im Verein tätig. Im Hauptberuf war er in leitender Funktion an der Landesturnanstalt in München angestellt.

Die Münchner Neuesten Nachrichten fanden anlässlich der Ernennung von Heinrich Zisch zum Ehrenvorsitzenden nur lobende Worte: „Die Verdienste von Heinrich Zisch gehen weit über das Vereinsleben von 1860 hinaus. Seiner Zähigkeit ist vor allem die Erbauung des nach ihm genannten Stadions an der Grünwalder Straße zu verdanken. Diese Anlage trug zu dem heutigen Aufstieg des Münchner Fußballs viel mit bei. Sie ermöglichte vor allem, dass die vorzüglichen Leistungen auf dem grünen Rasen in weiten Kreisen der Münchner Bevölkerung die notwendige Resonanz finden konnten.“

Ob er an der öffentlichen Verlautbarung des Vereins vom 21. März 1933 noch mitgewirkt hat, in der sich der Verein „freudig“ zur Mitarbeit im neuen Staat bereit erklärte, darf bezweifelt werden. Heinrich Zisch zog sich von der aktiven Vereinsarbeit zurück. „Sein Stadion“ verkaufte der Verein im Jahr 1937 an die Stadt München, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Die Stadt gab die Bezeichnung „Heinrich-Zisch-Stadion“ auf, weil die Assoziation mit dem Verein dem Stadtamt für Leibesübungen zu eng war. Nach Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen wurde dann das Stadion am 13. August 1939 als „Städtischer Sportplatz an der Grünwalder Straße“ offiziell wiedereröffnet. Im Frühjahr 1941 schlug das Stadtamt – einem Vorschlag des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen aus dem Jahr 1937 folgend – die Umbenennung nach dem Leichtathleten Hanns Braun vor. Oberbürgermeister Karl Fiehler stimmte dem Vorschlag am 3. April 1941 zu und ab Jahresmitte prangte der Schriftzug „Städtische Hanns-Braun-Kampfbahn“ auf dem Sitztribünendach. Durchsetzen konnte sich der neue Name bei den Münchnern jedoch nie. Da die Umbenennung zudem von den Nationalsozialisten vorangetrieben worden war, wurde der Platz nach dem Zweiten Weltkrieg offiziell wieder als „Stadion an der Grünwalder Straße“ bezeichnet. Die alte Aufschrift war in den Luftangriffen des Jahres 1943 sowieso in den Trümmern des Stadions versunken.

Um Heinrich Zisch war es ruhig geworden. Im Jahr 1943 startete er mit anderen Vereinsmitgliedern eine Initiative für einen Rückkauf des Stadions, die von Fußballabteilungsleiter Sebastian Gleixner auch an die Stadt herangetragen wurde. Aber die damit befassten städtischen Stellen lehnten es kategorisch mit dem Hinweis ab, dass der Verein die neuen Hypothekenlasten sicher nicht tragen könne.

Heinrich Zisch verzog wegen der dauernden Luftangriffe mit seiner Ehefrau Johanna im Sommer 1944 aus der Tengstraße 44 nach Hohenlinden. Ende Juli 1945 kehrte das Ehepaar wieder nach München zurück. Der Verein brauchte seine Unterstützung und er tat was er konnte. In der Chronik zum 100-jährigen Bestehen des Vereins heißt es dazu: „Auch Vater Zisch schaltete sich wieder ein.“ Anlässlich seines Todes brachte die Süddeutsche Zeitung in der Ausgabe vom 26. Juli 1947 eine kurze Würdigung: „Der TSV 1860 verliert in ihm einen verdienstvollen Sportpionier. Zisch war Begründer des lange nach ihm benannten Heinrich-Zisch-Stadions und bis zu seinem Ableben Vorsitzender des Hauptvereins.“ Hier irrte die Zeitung – und blendete die Zeit zwischen 1933 und 1945 einfach aus. Beerdigt wurde Heinrich Zisch am 26. Juli 1947 auf dem Nordfriedhof (Gräberfeld 101, Reihe 2, Nr. 10).

Als im Herbst 1956 eine neue Fußgängerbrücke über die Candidauffahrt gebaute wurde, schlug das Baureferat zwei Namen für die Benennung des neu entstandenen Weges vor: Heinrich Zisch und den Leichtathleten Hans Braun. Die Benennung nach Hans Braun wurde auch vom Bayerischen Landesportverband, vom Leichtathletikverband und vom Stadtarmt für Leibesübungen unterstützt. Allerdings sprach sich die Bezirksinspektion des 18. Stadtbezirks dagegen aus, weil sich im Stadtbezirk bereits eine „Braunstraße“ befand. Am 6. Dezember 1956 stimmte der Hauptausschuss des Stadtrats der Benennung in „Heinrich-Zisch-Weg“ zu. Der Weg – er misst amtlich 91 Meter – führt von der Ecke Bergstraße/Schrafnaglstraße über die Candidauffahrt bis zum Stadion und endet dort direkt vor dem Eingang in den Block J – Nicht die schlechteste Wegführung zu Ehren eines Mannes, der den Stadionbau mit seinem Darlehen erst ermöglicht hat!

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