Wie Pelé & Co. den Löwen eine Lehrstunde erteilten

Thomas Bohlender, Mitglied der Abteilung Vereinsgeschichte, schreibt einmal im Monat einen Artikel über ein historisches Spiel der Fußball-Löwen:. Diesmal geht es um das Freundschaftsspiel im Mai 1960 im Grünwalder Stadion gegen den FC Santos mit dem 19-Jähirgen Pelé, der zwei Jahre zuvor zum ersten Mal Weltmeister geworden war.

Drei Tore erzielte Pepe, der sich auch hier gegen seinen Bewacher Manni Wagner durchsetzen konnte.

Freitag, 27. Mai 1960, 20 Uhr, das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße ist mit 35.000 Zuschauern zum ersten und einzigen Mal in diesem Jahr ausverkauft. Wo sonst, abgesehen von wenigen Highlights, die damals eher biedere Fußballkost der Oberliga Süd dargeboten wird, gastieren diesmal die sagenumwobenen südamerikanischen Ballzauberer um ihren erst 19-jährigen Superstar Edson Arantes do Nascimento, auch Pelé genannt, zu einem Freundschaftsspiel. Man durfte gespannt sein.

Aber den Löwen war nicht bange, keineswegs, hatten sie doch die Oberliga-Runde auf Platz vier, immerhin knapp vor den Bayern, abgeschlossen, auf ihrer US-Tournee, wenige Wochen vorher, alles an Gegnern weggehauen, was sich ihnen in den Weg stellte, egal ob Los Angeles, Chicago oder die American Allstars und am Ende musste sich in den New Yorker Polo Grounds auch das mächtige Manchester United den Weiß-blauen mit 2:4 geschlagen geben. Den Südamerikanern würde man schon Paroli bieten.

Das war die Löwen-Mannschaft der Saison 1959/1960, die Vierter in der Oberliga Süd wurde.

Die brasilianischen Ballzauberer jedoch waren eine ganz andere Liga. Nie haben die Löwen im Grünwalder Stadion höher verloren. Die Zuschauer allerdings kamen an diesem Maiabend voll auf ihre Kosten, denn die Balljongleure aus Santos, der auch heute noch bedeutendsten Hafenstadt Brasiliens, im Bundesstaat Sao Paulo gelegen, zogen ein Feuerwerk ihrer Fußballkünste ab, das man allenfalls vom Hörensagen oder aus verschwommenen Wochenschauaufnahmen über die Fußball-Weltmeisterschaft von 1958 in Schweden kannte, wo die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft überlegen den Weltmeistertitel gewann.

Der FC Santos, inzwischen das Aushängeschild des brasilianischen Vereinsfußballs, in allen Belangen den Münchnern bei weitem überlegen, kannte keine Gnade. Dass es zur Halbzeit nur 3:0 für die Südamerikaner hieß, wobei Pelé die ersten beiden Treffer erzielte, war nur ihrer Ballverliebtheit und ihrer Tendenz, lieber dem staunenden Publikum Kabinettsstücken zu präsentieren, als zielstrebig den Torerfolg zu suchen, zu verdanken. Doch zu Beginn der zweiten Halbzeit machten die Kicker aus der südlichen Hemisphäre so richtig ernst und erzielten innerhalb von sieben Minuten vier Tore, ehe sie es wieder etwas gemächlicher angehen ließen. Das Ehrentor für die Mannen des TSV 1860 München durfte ihr Kapitän „Fonse“ Stemmer zum 1:8 mittels eines Strafstoßes verwandeln, mehr war für die arg gebeutelten Münchner an diesem denkwürdigen Abend nicht drin.

Nicht unwahrscheinlich, aber noch weitgehend unerforscht ist, dass an diesem Abend unter dem Eindruck der fußballerischen Brillanz der Spieler des FC Santos, möglicherweise zum ersten Mal bei den Löwenfans der Wunsch nach südamerikanischer Verstärkung aufkam: „Und dann kaaf ma uns an Brasilianer.“

Der TSV 1860 München spielte mit folgender Mannschaft:
Bechtold; Wagner, Köbler, Zausinger (46. Rahm), Stemmer, Metzger, Heiß, Kölbl, Feigenspan, Fallisch, Auernhammer.

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