Wie die große Zeit des TSV 1860 ihren Anfang nahm

Thomas Bohlender, Mitglied der Abteilung Vereinsgeschichte, schreibt einmal im Monat einen Artikel über ein historisches Spiel der Fußball-Löwen: Sechzig vor 60 Jahren, am 25. Februar 1962, als die Löwen bei eisigem Winterwetter Bayern Hof mit 3:1 bezwangen und einen Vorgeschmack auf zukünftig bessere Zeiten lieferten.

Eisiges Winterwetter hatte an diesem Sonntag die bayerische Landeshauptstadt fest im Griff. Und so war es nicht verwunderlich, dass nur 4.000 Löwenfans den Weg ins Städtische Stadion an der Grünwalder Straße fanden, Minusrekorde in der Saison 1961/1962. Auch die bisherigen Darbietungen der seit fünf Spieltagen in der Oberliga Süd sieglosen Löwen, die einen Monat zuvor zu allem Überfluss eine bittere 2:3-Niederlage im Derby gegen den Stadtrivalen FC Bayern kassiert hatten, trugen nicht gerade dazu bei, das Zuschauerinteresse zu fördern. Aber die Treuesten der Treuen sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn sie bekamen einen Vorgeschmack auf das, was bald kommen sollte, die große Zeit der Münchner Löwen, gekrönt vom Pokalsieg 1964 und der Meisterschaft 1966.

Spaß im Training: Routinier Fonse Stemmer (li) und Trainer Max Merkel (re.).

Neben den erfahrenen Haudegen Alfons „Fonse“ Stemmer und Hans Auernhammer waren bereits fünf junge, hochtalentierte Juwele der späteren Meistermannschaft unter den elf Spielern, die der zu Beginn der Saison von Präsident Adalbert Wetzel neu verpflichtete Trainer Max Merkel aufs Feld schickte: Die Löwenabwehrlegende Manni Wagner (damals 23 Jahre alt), der 19-jährige Mittelläufer Hansi Reich aus der eigenen Jugend, Hansi Rebele, der trickreiche Außenstürmer, auch er gerade mal 19, der feierwütige, feinfühlige Techniker Hennes Küppers (23) aus Essen und sein trinkfreudiger Kumpel und Super-Mittelstürmer Rudi Brunnenmeier (21), bis heute berühmtester Sohn Olchings. Ein schmuckloser Münchner Vorort, der gegenwärtig eher durch seine beeindruckende Anzahl von Kreisverkehren von sich reden macht, als durch sportliche oder architektonische Ausrufezeichen.

Präsident Adalbert Wetzel (li.) holte im Sommer 1961 den Wiener Max Merkel (re.) zu den Löwen.

Gegner war schon wieder der FC Bayern, diesmal aber aus dem sibirischen Teil des Freistaats, aus Hof, in der Tabelle vor den Löwen platziert, dennoch keineswegs eine unlösbare Aufgabe. In der 40. Minute erzielte Hans Auernhammer das 1:0 für die Löwen, aber Bayern Hof gelang in der 71. Minute der Ausgleich. Doch die Münchner ließen sich nicht beirren. Diesmal sollte es ein glückliches Ende für die Sechzger geben. Rudi Brunnenmeier, der größte Diamant unter den jungen Spielern, am Ende mit 26 Saisontoren erfolgreichster Stürmer des TSV 1860, vor Hennes Küppers mit elf Toren, brachte die Löwen in der 80. Minute mit seinem umjubelten 2:1 auf die Siegesstraße und Manfred Fallisch erhöhte fünf Minuten vor Schluss auf 3:1.

Trotz eines zwischenzeitlichen Hochs beendete der TSV 1860 München die Saison abgeschlagen auf dem 7. Tabellenplatz. Viel zu wenig, um sich in der nächsten Saison für die Bundesliga zu qualifizieren. Da musste man in der Abschlusstabelle zwingend vor dem Lokalrivalen stehen. Ein schweres Unterfangen, denn der FC Bayern hatte die Saison knapp hinter Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg als guter Dritter abgeschlossen. Doch Trainer Max Merkel wusste Rat. Die fünf talentierten Jungspunde waren exzellent und entwicklungsfähig, ohne Frage, aber der Rest der Mannschaft nicht stark genug. Verstärkung musste also her, um jeden Preis. Da gab es doch bei Wormatia Worms in der Oberliga Südwest seit einigen Wochen so einen sagenhaften jugoslawischen Torhüter, dessen überragende Fangkünste sich in ganz Fußball-Deutschland herumsprachen. Den sollte man sich doch einmal genauer ansehen. Gesagt, getan. Und die große Erfolgsgeschichte der Münchner Löwen in den Sechziger-Jahren nahm ihren Anfang.

Der TSV 1860 spielte mit folgender Aufstellung:
Hoffmann, Wagner, Steiner, Reich, Stemmer, Simon, Rebele, Fallisch, Brunnenmeier, Küppers, Auernhammer.

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