Der Traum der eigenen Sporthalle

Der Traum von der eigenen Sporthalle auf dem Vereinsgelände, in der alle Abteilungen wieder ein gemeinsames Zuhause finden, wird Stück für Stück realistischer. Präsident Robert Reisinger brachte zusammen mit Heinz Schmidt und Hans Sitzberger den Stein wieder ins Rollen und fand in Architekt und Löwenliebhaber Gerhard Günther schnell einen Verbündeten, der ein professionelles Auge auf das Vorhaben warf und die Planungen übernahm.

Bereits vor zwei Jahren wurden verschiedene Standorte für die neue Sporthalle untersucht, die leider aus unterschiedlichen Gründen fallen gelassen werden mussten. Letztlich liegt die beste Lösung manchmal vielleicht doch ganz nah. Auch wenn es zunächst schwer vorstellbar war, untersuchte Gerhard Günther das Trainingsgelände, auf dem es bereits eine mittlerweile abgelaufene Genehmigung und sogar den Baubeginn für eine Halle gab, erneut.

Eine Halle an der Grünwalder Straße würde die Möglichkeit schaffen, die Interessen von e.V. und KGaA getrennt zu verfolgen und trotzdem Synergien zu generieren. Die zerstreuten Abteilungen könnten vereint werden und das Vereinsleben auf einen ganz anderen Stand bringen. Der Verein hätte die Möglichkeit Sportarten und Kursangebote aufzubauen, die aktuell keinen Platz haben. Das Angebot für jede Altersklasse würde größer werden und der Zusammenarbeit mit Schulen somit nichts mehr im Wege stehen. Geschäftsstelle und Vereinsmuseum werden in einem separaten Turm in den Hallenkomplex integriert und eine noch direktere Verbindung von Mitarbeitenden und Mitgliedern geschaffen.

Leider war von Anfang an klar, dass der Weg mit vielen Hindernissen belastet ist. Eine Hürde konnte jedoch kürzlich genommen werden, als uns der positive Vorbeschied von der Lokalbaukommission erreichte. Ein wichtiger Schritt am Anfang eines großen Projektes.

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung stellte Präsident Robert Reisinger das fortschreitende Projekt vor:

„Im vergangenen Jahr haben wir Ihnen im September das Ergebnis unserer Suche nach einem möglichen Bauplatz für die vereinseigene Sporthalle des TSV 1860 präsentiert. Einige Illustrationen des Münchener Architekturbüros Günther haben Ihnen einen ersten Eindruck vom Vorhaben vermittelt. Gerhard Günther und sein Sohn Leopold sind beide Mitglieder der Fußballabteilung im Verein und haben die gesamte Grundlagenermittlung und Vorplanung ehrenamtlich unterstützt. Der Verein hat dafür bislang keinen Euro bezahlt.“

Um jedoch einer möglichen Mythenbildung entgegenzuwirken, holt Präsident Robert Reisinger geschichtlich weit aus und informiert die Mitglieder über den Verlauf seit 1981.

„Im Jahr 1981 stiegen die damals noch im e.V. organisierten Profifußballer aus der 1. Bundesliga ab. Große wirtschaftliche Probleme begleiteten den sportlichen Misserfolg. Erst in letzter Instanz und unter Auflagen erhielt der TSV 1860 vom DFB die Lizenz für die in der Saison 1981/82 erstmals eingleisige 2. Bundesliga. Entgegen der Auflagen beschäftigten die damals Verantwortlichen einen ziemlich teuren Profikader. Sie setzten alles auf die Karte »sofortiger Wiederaufstieg« und scheiterten mit ihrem Vorhaben. Die Spielergehälter konnten während der laufenden Zweitliga-Saison bisweilen erst mit dreimonatiger Verspätung bezahlt werden, Gläubiger wurden immer wieder vertröstet. Das Finanzamt beschlagnahmte am Spieltag gegen Schalke noch im Stadion die Eintrittsgelder, um Steuerschulden zu begleichen. Es war ein finanzielles und organisatorisches Desaster. Am Ende der Saison 81/82 landete man auf dem 4. Platz, verpasste damit den Aufstieg – und in der Kasse befand sich ein Millionenloch. Der DFB-Liga-Ausschuss verweigerte den Löwen die Lizenz, weil angeforderte Unterlagen und Finanzierungsnachweise nicht fristgerecht eingereicht worden waren. Ein Einspruch vor dem DFB-Schiedsgericht und der Versuch vor dem Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen den DFB zu erwirken, schlugen fehl. Am Ende hatte auch ein letztes Gnadengesuch keinen Erfolg. Der TSV 1860 München fiel in den Amateurfußball und wurde für neun Jahre Teilnehmer der Bayernliga. Um wirtschaftlich wieder Luft zu bekommen, wurden damals 59 Prozent der in der Isarvorstadt gelegenen vereinseigenen Turnhalle an der Außenstraße – in der die Amateursportler zuhause waren – an die Stadt München verkauft. Acht Jahre später, im Jahr 1990, wurden schließlich auch die restlichen 41 Prozent an die Stadt veräußert, die die Halle seither als Sporthalle der Wittelsbacherschule betreibt. Das Geld aus der zweiten Tranche wurde zunächst zurückgelegt, verbunden mit dem Versprechen des damaligen Präsidenten, Karl-Heinz Wildmoser, aus diesen Mitteln eine neue Turnhalle für die Amateursport-Abteilungen zu errichten. Als jedoch zur Jahrtausendwende Pläne des DFB zur Intensivierung der Nachwuchs- und Talentförderung auftauchten, in denen Bundesligisten verpflichtet werden sollten, ein Leistungszentrum zu errichten und die Existenz einer solchen Einrichtung ab der Saison 2001/2002 auch zu einem Teil des Lizenzierungsverfahrens wurde, steckte der TSV 1860 das zurückgelegte Geld aus dem Verkauf der Turnhalle in die Errichtung des geforderten Nachwuchsleistungszentrums an der Grünwalder Straße 114. Eine bereits ausgehobene Baugrube für die neue Halle wurde wieder zugeschüttet – Wildmosers Versprechen an die Amateurabteilungen nie eingelöst. Die Verwendung der Vereinsgelder für den Bau des NLZ sollte in der Folge durch die mit handwerklichen Fehlern behaftete Ausgliederung des Profifußballs in eine eigene GmbH & Co. KGaA noch zu langwierigen Problemen mit dem Finanzamt führen – aber das ist eine andere längere Geschichte aus der Vergangenheit. Fakt ist: Zu Gunsten des Profifußballs wurde einst die vereinseigene Turnhalle der Amateursportlerinnen und -sportler verkauft. Ein Ersatz für sie wurde nie geschaffen. Als wir im Präsidium auf der Suche nach einem geeigneten Ort für einen Neubau waren und ich in dieser Sache immer wieder Kontakt mit der Stadtverwaltung hatte, habe ich übrigens versucht, Verhandlungen über einen möglichen Rückkauf der mittlerweile stark sanierungsbedürftigen Halle an der Auenstraße in Gang zu setzen. Doch das war vergeblich. Die Stadt München gibt die Immobilie nie mehr her. Wir brauchen als Verein eine eigene Halle, um unseren Mitgliedern einen bedarfsgerechten und zukunftsfähigen Trainings- und Wettkampfbetrieb zu ermöglichen. Auch unsere Nachwuchsfußballer würden vom Hallenbau profitieren. In den Vorgaben für die Errichtung und Unterhaltung von Leistungszentren der Teilnehmer der Lizenzligen im Deutschen Fußball heißt es: »die Möglichkeit der Hallennutzung im Winter muss vorhanden sein; die Halle sollte in der Nähe des Leistungszentrums liegen.« Der vereinseigene Hallenbau ist also nicht nur für die Amateur-Abteilungen unerlässlich, sondern dient auch in hohem Maß den Junglöwen. Die Lage direkt am Gelände ist dafür ideal geeignet.“

So viel zur geschichtlichen Seite, der Löwen-Turnhalle. Wie bereits erwähnt ist im letzten Jahr viel passiert und Robert Reisinger holt die Löwen zurück in die Gegenwart:

„Mittlerweile ist der Entwurf überarbeitet. Die Architekten mussten aus Gründen der nachbarschaftlichen Einvernahme die Baukörper voneinander trennen und das geplante Parkdeck räumlich an die Grünwalder Straße verschieben.“

„Wir haben entsprechend der verwaltungsrechtlichen Regularien bei der Lokalbaukommission einen Antrag auf Bauvorbescheid gestellt. Der Bauvorbescheid ist mittlerweile eingetroffen und wurde von der Verwaltung der Landeshauptstadt München positiv beschieden. Planungsrechtlich ist unser Vorhaben eines Sporthallenneubaus an der Grünwalder Straße 114 damit grundsätzlich zulässig.“

„Im nächsten Schritt wäre nun ein konkreter Bauantrag zu stellen. Für diesen Schritt will ich heute die Zustimmung der Versammlung in Form eines Meinungsbildes einholen,“ so Reisinger. Das Stimmungsbild war durchweg positiv und Robert Reisinger betonte: „Das Präsidium macht in dieser Frage keinen Alleingang. Die Mitglieder unseres Vereins entscheiden. Wenn Sie mir heute in dieser Versammlung sagen, mach es, Reisinger, dann gehen wir im Präsidium in die nächste Phase, konkretisieren die Planungen für die vereinseigene Halle und kümmern uns um einen Bauantrag.“

„Aber, auch dann wird noch nicht gebaut – um das klar zu sagen! Bevor tatsächlich mit dem Bau der Halle begonnen werden kann, bedarf es eines weiteren finalen Beschlusses durch die kommende Mitgliederversammlung, bei der dann ein detaillierter Finanzierungsplan verabschiedet wird. Es gibt in dieser Frage keine Alleingänge des Präsidiums.“

Die erforderlichen technisch-organisatorischen Schritte erklärt Robert Reisinger in sechs Schritten:

Schritt 1:
Grundlagenermittlung und Suche nach einem geeigneten Baugrundstück (abgeschlossen)

Schritt 2:
Darstellung des Vorhabens für die erforderliche Beteiligung der Nachbarn und die Information der Öffentlichkeit (abgeschlossen) Vorplanung mit Kostenschätzung (abgeschlossen)

Schritt 3:
Stellung einer Bauvoranfrage bei der Lokalbaukommission (abgeschlossen) Erteilung Bescheid durch die Behörde, Geltungsdauer drei Jahre (abgeschlossen)

Schritt 4:
Entwurfsplanung Gebäude und Innenräume, Freianlagen (in Arbeit)

Schritt 5:
Genehmigungsplanung Stellung eines Bauantrags bei der Lokalbaukommission, Geltungsdauer vier Jahre

Schritt 6:
Errichtung des Gebäudes

 

Die Investitionsausgaben belaufen sich nach aktuellen Berechnungen auf 20 Millionen Euro, welche laut Robert Reisinger wie folgt aufgebracht werden sollen:

„Eine gängige Faustregel für Bauvorhaben setzt zehn bis fünfzehn Prozent der Bausumme als Eigenkapital voraus. Dieses Geld haben wir im Verein. Es muss durch einen Mitgliederbeschluss freigegeben werden. Vor einer Abstimmung darüber auf der nächsten Mitgliederversammlung wird unser Schatzmeister ein detailliertes Finanzierungskonzept für den Hallenbau vorlegen.“

„Zusätzlich anrechenbar zum Eigenkapital ist, was oft als Muskelhypothek bezeichnet wird: die mögliche Eigenleistung unserer Mitglieder.“

„Die Eigenleistung kann von der Unterstützung bei der Planung einzelner Gewerke über fachspezifische Berechnungen, weiter über den Aushub und die Bauarbeiten bis hin zur tatkräftigen Hilfe im Innenausbau und bei haustechnischen Teilbereichen gehen. Wir wollen dafür eine zentrale Koordinierungsstelle schaffen, die das zeitlich befristete ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder organisatorisch steuert und bei Arbeitseinsätzen versicherungstechnisch absichert.“

„Es gibt bereits erste Zusagen namhafter Handwerksunternehmen aus dem Kreis unserer Mitglieder, den vereinseigenen Hallenbau mit Sach- und Arbeitsleistung zu fördern. So hat beispielsweise unser Verwaltungsrat Norbert Steppe mit seinem Bauunternehmen die Vermessungsarbeiten für die Vorplanung ehrenamtlich erbracht.“

Zudem unterstützt die Landeshauptstadt München Sportvereine im Rahmen eines städtischen Sonderförderprogramms beim Bau vereinseigener Sporthallen wofür der TSV 1860 München bereits die Zusagen erhalten hat. Auch der Freistaat Bayern fördert über den Bayerischen Landes-Sportverband derartige Neubauten.

Die weitere Finanzierung sieht Robert Reisinger in Mäzenatentum (Bausteine gegen Spendenquittungen, gravierte Tafeln, Namen auf Fußboden oder an Wänden im Gebäude), Sonderumlagen auf freiwilliger Basis der Mitglieder für Errichtung und den laufenden Betrieb, sowie Spenden. Hierfür sollen Benefiz-Veranstaltungen, Versteigerungen, Sportwettbewerbe und Angebote von besonderen Merchandiseartikeln helfen.

Die geschätzten Betriebskosten liegen bei 200.000 €/Jahr und sollen u.a. mit Zuschüssen der Stadt finanziert werden. Weiter wird der laufende Betrieb über kostenpflichtige Fitnessangebote, Hallenvermietung, Erlöse durch Verpachtung von Gastronomie, Erlöse aus der Parkraumbewirtschaftung und Beiträgen der aktiven Sportler finanziert. Ein detaillierterer Finanzierungsplan wird bei der nächsten Versammlung vorgestellt.

„Wir planen einen klimafreundlichen Sporthallenbau nach modernsten Gesichtspunkten und lassen uns zum Thema Energieeffizienz, Energieeinsparung und erneuerbare Energien fachlich beraten. Auch für klimagerechtes Bauen gibt es staatliche Förderprogramme“ so Reisinger.

Robert Reisinger appelliert weiter an die Mitglieder:
„Nur wenn wir alle gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, werden wir in naher Zukunft wieder eine vereinseigene Halle besitzen. Für dieses Ziel braucht es einen starken Willen und viele helfende Hände.“

Doch nicht nur die Mitglieder müssen zusammenarbeiten, auch Absprachen zwischen KGaA und Verein werden konkreter.  
Bei der Ausgliederung des Profi-Fußballs in eine eigene Gesellschaft unter dem Präsidium Wildmoser wurde im Jahr 2002 auch der Erbpachtvertrag mit der Landeshauptstadt München für das gesamte Areal an der Grünwalder Straße 114 in die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA übertragen. Dem gemeinnützigen Verein steht jedoch ein verbrieftes Nutzungsrecht an der Anlage zu.

Für die Realisierung des Hallenbaus benötigt der Verein das Einvernehmen der KGaA und ihres Gesellschafters HAM International Limited. „Wir stehen in dieser Frage in sehr konstruktivem und positivem Austausch mit allen Beteiligten. Auch was mögliche Synergieeffekte angeht“ so Reisinger.

„Unser Vorschlag ist, die Bereiche Profifußball und gemeinnütziger Amateursport räumlich zu teilen und den Erbpachtvertrag entsprechend anpassen zu lassen. Auf dem heutigen Parkplatz befänden sich dann künftig die Liegenschaften des Vereins mit Geschäftsstelle und Sporthalle und direkt gegenüber die Anlagen der KGaA. Die Profi-Fußballgesellschaft bezahlt aufgrund ihres kommerziellen Unternehmenscharakters eine höhere Pacht für das Gesamtareal an die Landeshauptstadt als es ein gemeinnütziger Verein tun müsste. Mit der räumlichen Teilung könnte sich die KGaA künftig einen nicht unerheblichen Anteil der Pacht sparen.“

Alle künftigen Entwicklungen rund um den Turnhallenbau werden den Mitgliedern vor bzw. auf der nächsten Mitgliederversammlung bekanntgegeben.

2 Responses

  • Die besten Wünsche für ein erfolgreiches Gelingen – es sieht doch inzwischen gut aus. So schade es um die Auenstrasse ist, so wichtig und gut wäre es für den Verein diese Halle zu bekommen, wir sind nun mal nicht der FC 1860 sondern der TSV 1860, ein breites Spektrum an Abteilungen gehört zur DNA dieses Vereins. Sich mit ihnen zu rühmen reicht nicht, man muss auch etwas dafür tun. Dass die Halle, wenn sie auf dem Trainingsgelände steht, zusätzlich identitätsstiftend ist, sowie auch von den Fußballern in räumlicher Nähe eh gebraucht wird, sind sind Nebeneffekte, die für sich sprechen und das Vorhaben alternativlos machen.

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