Sechzig vor 30 Jahren: Die 18 Tore von Irlbach

Thomas Bohlender, Mitglied der Abteilung Vereinsgeschichte, schreibt einmal im Monat einen Artikel über ein historisches Spiel der Fußball-Löwen: Sechzig vor 30 Jahren – Juli 1931 – ein denkwürdiger 18:0-Sieg beim SV Irlbach 1927.

Die sieben sagenhaften Tore von Theben kennt jeder, der in der griechischen Antike ein wenig bewandert ist, Homer hat sie kenntnisreich beschrieben. Die 18 Tore von Irlbach hingegen sind bis heute nicht erzählt und selbst kundigen Zeitgenossen unbekannt, auch Homer legt diskret den Mantel des Schweigens über dieses epochale Kunstwerk.

Und selbst die sonst so ausführliche Vereinschronik des SV Irlbach 1927 e.V. erwähnt sie mit keinem Wort. Der Sage nach sei der TSV 1860 München im Juli des Jahres 1991 für ein kurzes Gastspiel am Irlbacher Sportplatz im Siedlungsweg 3 aufgetaucht, offensichtlich ohne eine nachhaltige Wirkung hinterlassen zu haben, neun Jahre nachdem die Legende Fritz Walter der Gastwirtschaft des Vereins einen Besuch abgestattet hatte: Konsum nicht mehr ermittelbar! Mehr war da nicht im beschaulichen niederbayerischen 1.000-Seelen-Ort an der Donau, auf halbem Wege zwischen den Gäuboden-Metropolen Straubing und Plattling. Sollte man meinen! Und ob da mehr war!

Scherzen auf der Wechselbank (v. li.): Horst Schmidbauer und Thomas Ziemer.

18 Tore haben die Löwen auf ihrem Beutezug in Irlbach an jenem besagten Samstag, den 6. Juli 1991, eingenetzt und damit ihren bedenklichen Auftritt beim neuntklassigen (!) TSV Unterdeufstetten, fünf Tage vorher, vergessen lassen, wo es bis zur 79. Minute im Sportzentrum Matzenbach nach einem peinlichen Unentschieden aussah. Der frischgebackene Aufsteiger in die Zweite Liga balancierte in diesem Freundschaftsspiel am Rande einer bitterbösen Blamage entlang.

Aber der Reihe nach: Durch einen 2:1-Erfolg gegen Borussia Neunkirchen vor 28 000 Zuschauern im ausverkauften Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße war der TSV 1860, nach Jahren der Bayernliga-Trostlosigkeit, 14 Tage zuvor, endlich wieder in der Zweitklassigkeit angelangt. Euphorie pur! Und jetzt verlangte die bravouröse Mannschaft aus Unterdeufstetten, einem kleinen Ort an der württembergischen Grenze zu Bayern, den Löwen alles ab. Erst in den Schlussminuten retteten Walter Hainer und Armin Störzenhofecker mit ihren Toren den knappen 4:2 Sieg und die Löwen vor einem Debakel gegen die unterklassigen heimischen Amateur-Fußballer.

Die Irlbacher Schlossbrauerei freute sich beim Löwen-Besuch über reißenden Absatz.

Diese Fast-Blamage sollten die wackeren B-Klasse-Kicker vom niederbayerischen SV Irlbach fünf Tage später auf das Bitterste büßen. Diesmal gingen die Löwen hochkonzentriert zu Werke, torhungrig und erbarmungslos. Zur Halbzeit stand es schon sage und schreibe 10:0, Albert Gröber und Roland „Magic“ Kneißl hatten mit vier bzw. drei Toren geglänzt. In der 2. Halbzeit schenkte dann alleine der Hesse Volker Rudel den arg gebeutelten Gastgebern zwischen der 70. und der 88. Minute noch einmal vier Treffer ein. Haben die Löwen jemals höher gewonnen? Ja, aber natürlich! Am 29. Juni 2003 wurden die Sportfreunde Fischbachau mit 29:0 vom Platz gefegt.

Außer dem TSV 1860 gab‘s vermutlich noch einen großen Gewinner dieses Freundschaftsspiels an den Gestaden der Donau: Die hiesige Irlbacher Schlossbrauerei, die sich am Spieltag eines sicherlich respektablen Umsatzes erfreute. Wie viele Halbe Irlbacher Vollbier Hell an diesem denkwürdigen Sommertag den Weg ihrer endgültigen Bestimmung fanden, ist allerdings bis heute nicht geklärt. Aber vielleicht findet sich ja in Homers Werk der Schlüssel zur Auflösung dieses Rätsels.

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