Endspiel 1931: Sechzig um die Deutsche Meisterschaft betrogen?

Thomas Bohlender, Mitglied der Abteilung Vereinsgeschichte, schreibt einmal im Monat einen Artikel über ein historisches Spiel der Fußball-Löwen: Sechzig vor 90 Jahren – Juni 1931.

Vor dem Finale machten die Löwen noch einen Stadtbummel durch Köln. Hier auf der berühmten Domplatte.

Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise trifft Deutschland besonders hart, Millionen Arbeitslose, Not und Elend nehmen rapide zu und die inzwischen von Geldern aus der Wirtschaft  massiv unterstützte NSDAP gewinnt immer mehr Anhänger. Auf der Zugspitze feiert man die Eröffnung des Schneefernerhauses, in München wird der Glaspalast im Alten Botanischen Garten ein Raub der Flammen, wobei 3 000 wertvolle Gemälde und Skulpturen unwiederbringlich verloren gehen. Auf Kuba wird Fidels jüngerer Bruder, der spätere Revolutionär und Präsident Raul Castro geboren. Ernst Ruska entwickelt das erste Elektronenmikroskop und der TSV 1860 München, damals SV 1860 genannt, steht im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft.

Wie das? In der Saison 1930/1931 hatten sich die Löwen als Zweiter hinter dem FC Bayern für die Zwischenrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert, die man souverän als Tabellenerster abschloss. Um aber endgültig die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft zu erreichen, wartete ein weiteres Qualifikationsspiel und mit Phönix Ludwigshafen ein starker Gegner, der nur mit großen Mühen aus dem Weg geräumt werden konnte.

Zum zweiten Mal nach 1927 hatten die Löwen somit die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreicht. Und nach Siegen gegen den Meidericher SV, Tennis Borussia Berlin und Holstein Kiel stand man völlig unverhofft im Endspiel.

Siegesgewiss laufen die Löwen ins Kölner Stadion ein.

50 000 Zuschauer im Müngersdorfer Stadion zu Köln, damals noch martialisch, im Tenor der Zwischenkriegsrhetorik, „Hauptkampfbahn im Sportpark Müngersdorf“ genannt, sehen am 14. Juni 1931 ein abwechslungsreiches, spannendes Endspiel zwischen dem Vorjahresmeister Hertha BSC Berlin, der zum sechsten Mal hintereinander das Finale erreicht hatte und dem TSV 1860 München, in dem die Löwen in der 28. Minute durch Otto Oeldenberger in Führung gehen. Hertha-Legende Hanne Sobeck gelingt in der 42. Minute der Ausgleich. Aber Sechzig schlägt noch vor der Pause durch ein Tor von Ludwig Lachner (45. Minute) zurück. Der Pausenstand: 2:1 für die Löwen. In der 75. Minute bejubelt Hertha dann den Ausgleich durch Bruno Lehmann und eine Minute vor Schluss erzielt Willi Kirsei (bis heute Herthas erfolgreichster Stürmer mit sagenhaften 244 Toren in nur 164 Punktspielen) den Siegtreffer für die Berliner. Der Linienrichter hatte beide Male die Fahne gehoben, also auf Abseits erkannt, was der Schiedsrichter aber ignorierte. Die Löwen, eindeutig die bessere Mannschaft, wurden so um den möglichen Sieg gebracht.

Löwen-Spieler Toni Huber
im Zweikampf mit einem Herthaner.

Die Sechzger hatten ein großes Spiel gezeigt, mussten aber am Ende eine völlig unverdiente, unglückliche Niederlage hinnehmen. Immerhin durfte man sich zurecht und stolz Deutscher Vizemeister nennen, der bis dahin größte Erfolg der Fußballer des TSV 1860 München und überhaupt einer Münchner Mannschaft. Ein Jahr später kam der Deutsche Fußballmeister dann endlich aus München. Aber das war kein Trost für die Löwen, hieß er doch FC Bayern.

Die Deutsche Vizemeistermannschaft des TSV 1860 München:
Alf Riemke, Max Schäfer, Joseph Wendl, Ludwig Stock, Alois Pledl, Fritz Eiberle, Ludwig Stiglbauer, Ludwig Lachner, Toni Huber, Otto Oeldenberger, Gustav Thalmayer

Von der Abteilung „Vereinsgeschichte des TSV 1860 München“ gibts zu diesem Ereignis ein DIN A3 Poster mit einem lesenswerten Bericht im Plakatmagazin „Löwenblick – Bilder zur Vereinsgeschichte“, erhältlich im OnlineShop des TSV 1860 München e.V.. 

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