Stadion an der Grünwalder Straße wird 110 Jahre.

Das Stadion an der Grünwalder Straße feiert heute seinen 110. Geburtstag. Die Löwen gratulieren der Kultstätte, die am 21 Mai 1911 offiziell eröffnet wurde.

Der erste offizielle Event war jedoch kein Fußballspiel, sondern ein Leichtathletik-Städtewettkampf, der 55:45 für die Gastgeber endete. Schon knapp einen Monat zuvor, am 23. April 1911, hatten die Fußballer den Sechzger-Platz inoffiziell eingeweiht. Dabei besiegte 1860 in der Münchner Meisterschaft den MTV 1879 mit 4:0.

Die allererste Tribüne auf dem Platz an der Grünwalder Straße, die im Volksmund „Zündholzschachterl“ genannte Holzkonstruktion.

Ein Stadion im heutigen Sinne war es damals noch nicht. Wilhelm Hilber, Vizepräsident des damaligen TV 1860, hatte den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Platz von der Familie Peter gepachtet. Von 1899 bis 1904 hatten die Fußballer der Sechzger städtische Plätze benutzt, danach spielten sie auf eigenen Sportplätzen in Holzapfelkreuth und am Giesinger Alpenplatz. Der Sportplatz an der Grünwalder Straße wurde 1911 für 14.000 Mark gebaut. Rund um das Fußballspielfeld wurden Leichtathletikanlagen angelegt. Die Baugesellschaft Syrus Süss Nachfolger errichtete die zwölf Meter lange Holztribüne, die 160 überdachte Sitzplätze bot und in der auch Garderoben und Waschräume untergebracht waren.

Wegen ihrer Form wurde die überdachte Holzkonstruktion von den Münchnern sehr valentinesk als „Zündholzschachterl“ bezeichnet. 1860 war somit der vierte Münchner Verein nach dem Münchner SC, dem FC Wacker und dem MTV 1879, der auf einem Sportplatz mit Tribüne spielen konnte. 1912 wurde das südlich angrenzende Grundstück ebenfalls gepachtet und darauf ein Fußball-Trainingsplatz errichtet.

Die neue Haupttribüne, die 1926 fertiggestellt wurde.

Im Jahre 1922 kaufte der TSV 1860 das Gelände, das nun zum „1860-Platz“ wurde. Das Zündholzschachterl wich 1926 einer überdachten Sitztribüne mit 1.400 Sitzplätzen und gegenüber, im Bereich der heutigen Gegengeraden, entstand die berühmten Stehhalle, in der bis zu 20.000 Menschen Platz fanden.

Im Jahr 1927 wurde das Stadion nach dem damaligen 1860-Präsidenten in „Heinrich-Zisch-Stadion“ benannt. Finanzielle Probleme führten dazu, dass die Immobilie 1937 an die Stadt München für 357.560 Reichsmark veräußert wurde. Von 1941 bis 1945 wurde das Stadion von den Nazis in „Hanns-Braun-Kampfbahn“ umbenannt. Namensgeber war ein erfolgreichen Münchner Leichtathlet, 1908 und 1912 Medaillen-Gewinner bei Olympia, der im Ersten Weltkrieg gefallen war.

Diese Luftaufnahme des Stadions entstand Ende der 1920er Jahre.

In den Bombennächten vom 7. September und 2. Oktober 1943 wurde das Stadion zerstört. Bereits  1945 nach Kriegsende wurde der Spielbetrieb in der notdürftig hergestellten Arena wieder aufgenommen. Seitdem trägt sie den bis heute gültigen Namen „Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße“.  Die Wiederaufbauarbeiten blieben jedoch Stückwerk, das Stadion war lange nur ein Provisorium.

Erst in den  Jahren von 1958 bis 1961 wurde das Stadion nach den Entwürfen von Architekt Rudolf Ortner und unter seiner Leitung um die Ost- und Westkurve sowie um die Flutlichtanlage erweitert. In dieser Zeit spielten nicht nur die Blauen dort, sondern es war auch die Heimat der Roten. Der TSV 1860 München feierte 1966 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im „Sechzger Stadion“, wie es von den Münchnern bis heute genannt wird, seinen größten Erfolg.

Mit dieser Elf trat der TSV 1860 zum letzten Bundesligaspiel der Saison 1965/66 an (v. li.): ­Grosser, Radenkovic, Luttrop, Reich, ­Wagner, Brunnenmeier, Konietzka, Zeiser, Patzke, Rebele, Perusic.

Ein Brand 1971 und ein Sturmschaden 1972 machten weitere Arbeiten erforderlich. Nach 1972 geriet das Stadion in den Schatten des neu errichteten Olympiastadions. Der FC Bayern verlegte seine Spiele schon sehr bald in den Olympiapark, die Löwen blieben noch bis 1974 auf Giesings Höhen. 1978/1979 wurde die Stehhalle abgerissen und die Gegengerade mit 4.700 Sitzplätzen neu gebaut. In der Folge wechselten die Löwen häufig zwischen Grünwalder Stadion und Olympiastadion.

Nach dem Bundesliga-Abstieg 2004 ging’s erneut nach Giesing zurück, um ab 2005 in der neu errichteten  WM-Arena in Fröttmaning zu spielen. 2009 beschloss der Stadtrat, umfassende Umbaumaßnahmen am Grünwalder Stadion durchzuführen, um den Bestand auch zukünftig zu sichern. Die Arbeiten begannen 2012. Dafür mussten die Reserve-Mannschaften der Blauen und Roten sowie die A-Junioren-Bundesligateams, die dort ihre Heimspiele austrugen, vorübergehend ausziehen. Zu Beginn der Saison 2013/2014 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen und der Spielbetrieb konnte wieder aufgenommen werden.

Nach zwölf Jahren in der Fröttmaninger Arena, in denen die Löwen anfangs Mitbesitzer, später nur noch Untermieter waren, folgte nach dem Doppelabstieg 2017 die Rückkehr der ersten Mannschaft in die Giesinger Kultstätte, um dort in der Regionalliga Bayern den Neuanfang zu wagen. Seitdem ist das Grünwalder Stadion – wie vor 110 Jahren – wieder die Heimat der Löwen.

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