Der Verein wächst

Die Abteilung für Vereinsgeschichte veröffentlicht im Jubiläumsjahr jeden Monat einen Artikel zur Historie der Löwen. Diesmal berichtet Stephanie Dilba vom kontinuierlichen Wachstum des Vereins Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ging es in den ersten vierzig Jahren um den Aufbau des Vereins sowie um die Etablierung in der Deutschen Turnerschaft und in der Münchner Stadtgesellschaft, so waren die nächsten dreißig Jahre gekennzeichnet durch ein kontinuierliches Wachstum sowohl in der Breite als auch in der Qualität der Leistungen.

Die Turnfrauen des TSV, hier die Riege von 1910, gehörten schnell zur nationalen Spitze.

Die Turnabteilung entwickelte sich kontinuierlich weiter. Die hervorragende und nachhaltige Arbeit im Turnverein München von 1860 wird am Beispiel von Bella Meiser besonders deutlich sichtbar: Ihr gelang es, bei den ersten deutschen Turnmeisterschaften für Frauen 1921 den Titel im Geräte-Mehrkampf zu gewinnen und diesen Erfolg sogar noch zwei Mal zu wiederholen.

1899 wurde eine Spielmannschaft ins Leben gerufen, in der zunächst Schleuder-, Faust- und Deutschball sowie Barlauf praktiziert wurden und sich ab 1901 eine Fußballmannschaft etablierte. Gekickt wurde bis 1904 auf der Schyrenwiese, ab August 1904 auf einem gepachteteten Waldspielplatz in Holzapfelkreuth, bevor die Fußballer 1908 nach Giesing zogen.

1909 konnte mit der Münchner Frühjahrsmeisterschaft der erste Titelgewinn gefeiert werden. Bis in die 1920er-Jahre hinein waren die Löwen im Fußball allerdings nur dritte oder gar vierte Kraft in München. Dies änderte sich 1925, als der Verein mit Max Breunig erstmals einen auswärtigen und erfahrenen Trainer einstellte. Breunig führte die Löwen 1927 ins Halbfinale und 1931 sogar ins Finale der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Dieses verloren die Weiß-Blauen allerdings – auch dank der Fehlentscheidungen des Schiedsrichters – mit 2:3 gegen die Berliner Hertha.

Im Frühjahr 1901 gründeten begeisterte Alpinisten im Verein eine Bergsteigerriege. Diese fand ihre Heimat in der Jagdhütte „Blaue Gumpe“ im Reintal des Wettersteingebirges, welche sich noch heute im Besitz der Abteilung befindet.

Aus der Bergsteigerriege ging 1907 die Skiabteilung hervor, die schon bald erfolgreich bei regionalen Wettbewerben auftrat. Besonders hervorgetan hat sich hier der erste Vorsitzende Andreas Sattler, nach dem auch die 1930 eingeweihte vereinseigene Hütte auf der Partnachalm benannt wurde.

Mit der Gründung der Naturriege im Jahr 1908, die sich „dem volkstümlichen Turnen und den leichtathletischen Übungen“ widmete, wurde ein weiterer Grundstein für spätere große Erfolge gelegt. Zwischen 1913 und 1930 holten Mitglieder der Abteilung 29 Deutsche Meistertitel nach München. Die 4x100m-Staffel der Männer stellte 1914 einen Deutschen Rekord auf, die der Damen 15 Jahre später gar einen Weltrekord. Bis heute unerreicht ist die Leistung von Maria Kießling: Der Münchnerin gelang es, bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 1920 alle ausgerichteten Wettbewerbe zu gewinnen.

Die Schwimmabteilung gründete sich 1903.

Aufgrund der neu hinzugekommenen Sparten erfolgte 1907/1908 eine Neustrukturierung des Vereins: Die Fußballmannschaft, die Skiabteilung, die Naturriege sowie die 1903 gegründete Schwimmabteilung wurden zur „Sportsabteilung“. Auch das Vereinswappen mit dem Schild der Turnerschaft war nicht mehr passend; es wurde 1911 durch den Löwen, das Symboltier für Mut und Ausdauer, ersetzt. 1919 erfolgte konsequenterweise die Umbenennung in Turn- und Sportverein München von 1860.

Das Wachstum des Vereins zeigte sich auch im Vereinsgelände an der Auenstraße: 1901/1902 wurden die beiden südlich angrenzenden Grundstücke erworben und auf ihnen ein Damenturnplatz und ein Tennisspielplatz angelegt. Im November 1905 erfolgte die Installation einer Kegelbahn im Keller. Vier Jahre später wurde das Vereinshaus umfangreich saniert.

Mit der Errichtung des Sechzgerstadions an der Grünwalderstraße 1911 wurden optimale Trainingsbedingungen für die Leichtathleten und die Fußballer geschaffen.

Löwen-Gewichtheber Sepp Straßberger gewann 1928 olympisches Gold.

1912 wurde bei 1860 eine Kraftsportriege gebildet, die 1919 die Deutsche Schwergewichtsmeisterschaft im Tauziehen gewann. In den 1920er- und 1930er-Jahren sammelten die Gewichtheber der Löwen reihenweise Deutsche Mannschafts-Meistertitel. Der herausragendste Athlet unter ihnen war Josef Straßberger, der 1928 in Amsterdam Olympiasieger im Schwergewicht wurde und 1932 in Los Angeles die olympische Bronzemedaille gewann.

Im Verein stand man neuen Sportarten stets offen gegenüber, sodass immer wieder Abteilungen hinzukamen. So wurde 1919 eine Turnspielabteilung ins Leben gerufen; diese konnte zwischen 1923 und 1929 sieben Mal die Deutsche Meisterschaft im Schlagball der Männer gewinnen. Neue Gewässer in München und im Umland erkundeten einige „Flusswanderer“ im Verein, die 1922 die Faltbootabteilung gründeten. Fünf Jahre später holten Lampl und Schweiger im Faltboot-Zweier den (bislang) einzigen Deutsche Meisterschaftstitel für die Wassersportler, die seit 1927 ein eigenes Zuhause in Thalkirchen haben.

Desweiteren wurden 1911 eine Hockey-, 1920 eine Motorsport- und 1927 eine Handballabteilung gegründet.

Ende 1930 zählte der Turnverein 3.201, der Sportverein 1.348 Mitglieder.

Teil 1: Die Gründung eines Traditionsvereins – 160 Jahre TSV München von 1860

Teil 2: Echt turnerische Brüderlichkeit

Teil 3: Die Stadiongeschichte(n) der Fußballer des TSV 1860

Bilder aus 16 Jahrzehnten Sechzig