Neue DFB-Auflagen: Amateure müssen 1860-Gelände verlassen

Die Fußball-Amateurmannschaften des TSV 1860 haben durch eine Neuregelung des DFB ein massives Problem: Künftig dürfen sie nicht mehr auf dem vereinseigenen Trainingsgelände an der Grünwalder Straße 114 trainieren und spielen.

Hintergrund ist eine Verschärfung der Auflagen von DFB und DFL für das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Gemäß der Neuregelung in Anhang V der DFL-Lizenzierungsordnung, die auch für die Anerkennung von NLZs von Vereinen gilt, die in DFB-Ligen spielen (wie beim TSV 1860 als Drittligist der Fall), müssen ab der neuen Saison drei Plätze (darunter ein Kunstrasenplatz) exklusiv für die Jugendmannschaften zur Verfügung stehen. Das bedeutet, diese Plätze dürfen weder von der Profi- noch von den Amateur-Mannschaften genutzt werden. Da der TSV 1860 an der Grünwalder Straße 114 nur über fünf Plätze verfügt, wovon zwei von den Profis genutzt werden, bleibt kein Platz mehr für die Amateure. Betroffen von der Neuregelung sind sechs Teams: die III. und IV. Mannschaft sowie die vier AH-Mannschaften.

Bislang nutzen die Amateurmannschaften der Löwen den Kunstrasenplatz (Platz 2) auf dem 1860-Trainingsgelände und kommen dabei der Jugend nicht in die Quere. Trainiert wird am Abend, gespielt in der Regel am Freitagabend (AH) oder am Sonntag-Nachmittag (III./IV.). Die Abstimmung mit dem NLZ funktioniert reibungslos, da die Fußball-Abteilungsleitung intern dem NLZ stets den Vorrang bei der Platzbelegung einräumt.Stehen beispielsweise Nachholspiele von Jugend-Teams am Mittwochabend an, muss die AH ihr Training verschieben oder absagen. „Die Juniorenausbildung hat bei uns immer Vorrang. Dafür brauchen wir keine Anweisung des DFB“, so Fußball-Abteilungsleiter Roman Beer.

Die NLZ-Teams nutzen derzeit die Plätze 2 bis 5, wobei man sich Platz 2 mit den Amateuren und Platz 5 mit den Profis teilt. „Die Plätze 3 und 4 stehen schon jetzt ausschließlich dem NLZ zur Verfügung. Die Plätze 2 und 5 werden jeweils zu über 50 Prozent vom NLZ genutzt. In der Summe der Belegungsanteile kommt man somit derzeit auf rund 3,5 Plätze für das NLZ. Unsere Jugend ist damit besser gestellt, als vom DFB mit drei Plätzen gefordert“, rechnet Beer vor.

Diese Argumentation stieß aber bei den Verantwortlichen des DFB für den Jugendbereich nicht auf Gehör. Auch das Einschalten von DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch führte nicht dazu, dass eine Ausnahmeregelung für den TSV 1860 bei der Platznutzung gefunden wurde. „Wir bieten seit Jahren nachweislich eine erstklassige Jugendarbeit. Das bestätigen sowohl eine Vielzahl von ehemaligen Jugendspielern unseres Vereins, die mittlerweile im Profibereich spielen, als auch die Ergebnisse der NLZ-Zertifizierungen durch DFB und DFL, bei denen wir stets die Maximalzahl von drei Sternen erhalten haben. All das war und ist unter den vorhandenen Rahmenbedingungen an der Grünwalder Straße 114 möglich“, so Roman Beer. Der Fußball-Abteilungsleiter erklärt weiter: „Wir haben bei 1860 stets bewiesen, dass Leistungs- und ambitionierter Amateurfußball bei uns gleichzeitig möglich sind und mit Erfolg die gesamte Bandbreite des Fußballsports abbildet. Nun wird unser Amateurbereich durch die Neuregelungen des Verbandes massiv torpediert. Über DFB-Slogans wie ‚Unsere Amateure: Echte Profis‘ kann ich da nur noch den Kopf schütteln.“

NLZ-Leiter Manfred Paula konnte beim DFB zumindest erreichen, dass die Amateure nicht schon ab 1. Juli 2020 von der Grünwalder Straße 114 weichen müssen, sondern eine Frist bis Jahresende 2020 bekommen, um neue Plätze zu finden. Dass sich die Platzsuche in der dicht besiedelten und boomenden Metropole München schwierig gestalten würde, war allen Verantwortlichen bewusst. Mittlerweile zeichnen sich Lösungen ab. Dank der Unterstützung der 3. Bürgermeisterin Verena Dietl, des städtischen Sportamts und des BFV-Kreisvorsitzenden Bernhard Slawinski sowie durch den Einsatz von 1860-Herren-Spielleiter Dominik Kilpatrick, Vereinsmanagerin Viola Oberländer und Fußball-Abteilungsleiter Roman Beer wurden verschiedene Optionen für den Trainings- und Spielbetrieb der sechs Amateurmannschaften der Löwen aufgetan. „Wir hoffen, in Kürze Lösungen präsentieren zu können. Die beste Lösung wäre aber der Erhalt des Status quo gewesen“, so Beer.

Hintergrund: Die Löwen-Amateure

Der TSV 1860 hat in den letzten Jahren bewiesen, dass man an der Grünwalder Straße 114 sowohl erfolgreiche Nachwuchsarbeit (siehe z.B. Spieler im aktuellen Profikader wie Dennis Dressel, Marco Hiller, Leon Klassen, Nico Karger, Fabian Greilinger) als auch ambitionierten Amateurfußball umsetzen kann. Gerade die große Bandbreite im Amateur-Fußballbetrieb des TSV 1860, zu dem neben den Herrenmannschaften (III. und IV.) und den AH-Teams auch Futsal-, Blinden- und Handicap-Fußballteams gehören (letztere Mannschaft ist Teil der Behindertensport-Abteilung), zeichnet die Löwen neben der starken Jugendarbeit im Vergleich mit anderen Profivereinen aus.

Die im Jahr 2011 unter dem damaligen Fußball-Abteilungsleiter und heutigen Präsidenten Robert Reisinger eingeführten Amateurmannschaften 1860 III und IV haben sich in den letzten Jahren von der A-Klasse in die Kreisliga bzw. von der C- in die A-Klasse vorgearbeitet. Zudem konnten sich mehrere Spieler bei den Löwen-Amateuren für höherklassige Klubs (bis hin zu Regionalligisten) empfehlen.

Im Alt-Herren-Bereich (AH) wurden in den letzten Jahren zusätzlich zur Repräsentations-AH auch drei Liga-Teams sehr erfolgreich wiederbelebt. Es gab mehrere Aufstiege bei den Senioren A und C und in diesem Jahr kam es zur Neugründung der Senioren B.