Präsidium zum 160-jährigen Gründungsjubiläum

Sehr verehrte Mitglieder, liebe Löwinnen und Löwen,

Generationen von Menschen haben den heutigen Turn- und Sportverein München von 1860 geprägt, seit er am 17. Mai jenen Jahres offiziell ins Leben gerufen wurde. Noch zwölf Jahre zuvor war im Revolutionsjahr 1848 ein erster Gründungsversuch als Münchner Turnverein ob vermuteter „republikanischer Umtriebe“ mit einem Vereinsverbot belegt worden.

Der TSV 1860 München hat sich in den 160 Jahren seines Bestehens mehrfach einer Metamorphose unterzogen. Sportlich von einer Herrenriege im Geiste Turnvater Jahns zum mehrspartigen Athletik- und Fußballklub für alle Geschlechter. Von einer vielfältigen Freizeitverbindung mit Gesangsabteilung zum Leistungssportverein. Gesellschaftspolitisch von einem bürgerlichen Turnverein über eine Vereinigung, die sich zwölf Jahre lang in den Dienst der nationalsozialistischen Diktatur stellte, bis zum weltoffenen, demokratischen, inklusiven und multikulturellen TSV 1860 München von heute.

Hunderte von Deutschen und Bayerischen Meisterschaften, etliche Welt- und Europameistertitel sowie dreimal Gold bei Olympischen Spielen errangen Sportlerinnen und Sportler des TSV 1860 München in den vergangenen 160 Jahren Vereinsgeschichte. Darunter befinden sich unvergessene Athleten wie der „stärkste Mann der Welt“ Josef Straßberger (Amsterdam, 1928) oder die großartige Skirennläuferin Marina Kiehl (Calgary, 1988). Etliche nationale und internationale Rekorde gehen auf das Konto von Vereinsmitgliedern des TSV 1860 München. Erinnert sei hier nur an die Hürdenläuferin Kreszentia „Zenta“ Kopp (Weltrekord 1956) und den Weitspringer Josef Schwarz (Europarekord 1970). Als unser Verein noch eine Tanzsport-Abteilung hatte, standen Hanni und Peter Neubeck drei Mal als Amateur-Weltmeister im lateinamerikanischen Tanz (1968, 1970 und 1971) auf dem Siegerpodest. Die Fußballer feierten mit dem Pokalsieg (1964) und der Deutschen Meisterschaft (1966) ihre nach Titeln erfolgreichste Zeit in den 1960er Jahren.

Nach dem Lizenzentzug für die Profifußballer 1982 und dem darauf folgenden Verkauf von vereinseigenen Immobilien spielte der Amateursport eine zunehmend untergeordnete Rolle beim TSV 1860 München. Ganze Abteilungen lösten sich in der Folge auf und es gab kein gemeinsames Vereinsleben mehr. Wachstum verzeichnete in diesen Jahren nur noch der Fußball. Nach der lange ersehnten Rückkehr des TSV 1860 München in die Bundesliga 1994 entstand eine regelrechte Welle der Euphorie um die Löwen – die Mitgliederzahl in der Fußballabteilung schnellte in die Höhe. Zu Beginn der 2000er Jahre wurde für Fußball-Bundesligisten der Unterhalt eines Leistungszentrums für die Nachwuchsausbildung verpflichtend. An der Grünwalder Straße 114 entstand ein Gebäude mit Internat. Gebaut wurde es mit Geldern des Vereins. Die Errichtung einer eigenen Halle für den Amateursport geriet jedoch in weite Ferne.

Nach Jahrzehnten der Stagnation im Amateursport beim TSV 1860 München ist mittlerweile eine deutliche Veränderung spürbar. Schlafende Abteilungen – wie beispielsweise die Ringer/innen – wurden wiederbelebt und neue – wie etwa die für Behindertensport – erfolgreich gegründet. Es gibt wieder einen starken Zulauf von Kindern und Jugendlichen in unseren Amateursport-Abteilungen. Trendsportarten bis hin zum E-Sport finden sich im Programm der Löwen wieder. Möglich machen das engagierte Mitglieder unseres Vereins, auf die wir alle stolz sein dürfen. Denn auch ein noch so schönes Vorhaben funktioniert nur, wenn es Menschen gibt, die davon überzeugt sind, die aktiv eine Sache vorantreiben und Ideen schließlich Wirklichkeit werden lassen. Im Idealfall sind diese Aktiven nicht allein, sondern haben starke Partner an ihrer Seite. Beim TSV 1860 München erfahren wir von der Stadtsparkasse München, von der Versicherungsgruppe die Bayerische, von den Unternehmern für Sechzig und vielen anderen Gönnern Unterstützung für den Amateursport. Seit mehr als drei Jahren haben wir mit Viola Oberländer eine eigene Vereinsmanagerin, die mit großem Einsatz unsere Aktivitäten im Amateursport koordiniert.

Das wiedererstarkte Engagement des TSV 1860 München im Amateursport spiegelt sich auch in Zahlen wider. 40 verschiedene Sportarten werden in unserem Verein von rund 4.000 Aktiven betrieben. Sie sind im Breiten- und im Leistungssport von der Kreisklasse bis zur Bundesliga aktiv. Heute zählt unser Verein wieder Olympiateilnehmer wie den Skirennläufer Linus Strasser und Weltrekordlerinnen wie die Para-Athletin und Kugelstoßerin Birgit Kober in seinen Reihen. Im vergangenen Jahr wurde als erster Münchner in der Geschichte des Boxsports Kenan Husovic Deutscher Meister im Superschwergewicht. Die drei Namen stehen nur beispielhaft für eine neue Generation von erfolgreichen Amateursportlerinnen und -sportlern beim TSV 1860 München. Auch ist der Bau einer vereinseigenen Sporthalle endlich in greifbare Nähe gerückt. Wir verfolgen im Präsidium dieses Ziel seit unserem Amtsantritt mit großer Akribie und werden nicht ruhen, bis wir den Grundstein in die Erde gelegt haben.

Mit 160 Jahren ist der TSV 1860 nicht nur einer der ältesten Sportvereine der Stadt München, sondern zählt mit seinen mehr als 23.000 Mitgliedern zahlenmäßig zu den größten Sportvereinen in Deutschland. Viele passive Mitglieder unterstützen mit ihrem Mitgliedsbeitrag in der Fußballabteilung den leistungsorientierten Nachwuchsfußball bei den Löwen und bringen sich durch den Besuch von Veranstaltungen aktiv ins Vereinsleben ein. Der TSV 1860 München wäre nichts ohne seine Mitglieder. Sie halten den Verein seit 160 Jahren am Leben und machen ihn zu dem was er ist: ein Klub zum Anfassen, ein Verein mit Herz und Seele – Münchens große Liebe. Unser aller Verein!

Wenn wir auch unser 160-jähriges Jubiläum wegen der Corona-Pandemie nicht im gewünschten Rahmen gemeinsam feiern können, so sind wir doch sicher: Der TSV 1860 München wird noch lange fortbestehen und aktiven wie passiven Mitgliedern eine liebenswerte Heimat für ihre sportliche Leidenschaft sein. Einmal Löwe – immer Löwe!

München, den 17. Mai 2020

Robert Reisinger
Präsident
Hans Sitzberger
Vizepräsident
Heinz Schmidt
Vizepräsident