Perspektive der Profifußball-Tochter für die kommenden drei Jahre

Verehrte Mitglieder, liebe Löwinnen und Löwen,

auf der Aufsichtsratssitzung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA am 17. Februar 2019 standen Strategie- und Etatberatungen für den Profifußball auf der Agenda. Wir möchten Sie als Mitglieder aus Sicht des Präsidiums über den Verlauf und das Ergebnis direkt informieren.

Günther Gorenzel und Michael Scharold präsentierten den Gesellschaftervertretern vier verschiedene von den Geschäftsführern erdachte Entwicklungsmodelle für die kommenden drei Jahre mit den zugehörigen sportlichen und wirtschaftlichen Rahmendaten. Stark vereinfacht beschrieben, handelt es sich dabei um vier Szenarien:

Szenario 1 geht von einer kompletten Eigenfinanzierung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ohne Fremdmittel aus. Der Saisonetat für die Profimannschaft läge in diesem Fall zwischen 3 und 3,5 Millionen Euro. 

Wie ist diese Summe einzuordnen? Sie entspricht im Vergleich mit dem Wettbewerb einem durchschnittlichen Etat. Bei finanzschwächeren Klubs in der Dritten Liga liegt das Saisonbudget um die 2 Millionen Euro. Gehobene Etats sind zwischen 5 und 7 Millionen Euro anzusiedeln.

Auswirkungen: Um den genannten Etat ohne Fremdmittel generieren zu können, wird die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ihre Ausgaben auf die Profimannschaft konzentrieren müssen.

Szenario 2 geht auf ein Angebot des Vereins zurück, den finanziellen Spielraum für die Profimannschaft zu erweitern, indem der Aufwand für das Nachwuchsleistungszentrum solange vom Verein allein getragen wird, bis der angestrebte Wiederaufstieg in die Zweite Liga erreicht ist. In diesem Szenario würden die Mannschaften U19 und U21 wieder unter dem Dach des Vereins geführt.

Auswirkungen: Die Ausbildungsmöglichkeiten im Nachwuchsleistungszentrum blieben für alle Mannschaften weitgehend auf dem bisherigen Level erhalten und die Profimannschaft hätte finanziell mehr Bewegungsfreiheit zur Erreichung ihrer sportlichen Ziele. 

Szenario 3 beinhaltet Darlehen unseres Mitgesellschafters in Höhe von 2 Millionen Euro pro Saison, die jeweils termingerecht zur Lizenzierungsphase bereitzustellen wären.

Szenario 4 geht sogar von Darlehen unseres Mitgesellschafters in unbegrenzter Höhe aus.

Auswirkungen: In den beiden letztgenannten Szenarien steigt der Schuldenstand der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA bei unserem Mitgesellschafter. Die Aufnahme neuer Darlehen würde die Unwucht der Gesellschaft nur weiter vergrößern. Wir halten das perspektivisch nicht für sinnvoll.

Die vier genannten Modelle gingen den Gesellschaftern im Dezember vergangenen Jahres vorab zur Prüfung zu. Das Präsidium hat sich mit den Vorschlägen ausführlich beschäftigt und sich Anfang Januar gegenüber der Geschäftsführung erklärt. Wir halten Szenario 2 für ein tragbares Modell für die kommenden drei Jahre, weil es die Balance hält zwischen der erforderlichen Konsolidierung des Unternehmens und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Profimannschaft. In der Aufsichtsratssitzung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA am 17. Februar 2019 bekamen die Gremiumsmitglieder die Details dazu von den Geschäftsführern noch einmal ausführlich persönlich erläutert.

Die Vertreter unseres Mitgesellschafters mochten sich in dieser Sitzung zu keinem der von der Geschäftsführung vorgestellten Modelle bekennen. Die Ablehnung erfolgte ohne nähere inhaltliche Begründung. Um das vom Verein präferierte Szenario 2 realisieren zu können, bedarf es der Zustimmung unseres Mitgesellschafters. Diese war zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu erlangen. Deshalb plant die Geschäftsführung bis auf weiteres mit Szenario 1.

Deutlich machten die Vertreter unseres Mitgesellschafters in der Sitzung jedoch, dass nach ihrem derzeitigen Kenntnisstand von Seiten der HAM International Limited mit finanziellen Zuwendungen für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA in keiner Form mehr zu rechnen sei. Das ist die freie unternehmerische Entscheidung der HAM International Limited, die wir respektieren.

Bekanntlich belasten die Nachwirkungen der Politik kreditfinanzierter Risikoinvestitionen – insbesondere aus der Zweitliga-Abstiegssaison 2016/2017 – die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA stark. Teile der bestehenden Darlehen unseres Mitgesellschafters wären deshalb spätestens zum Jahresende 2018 in Genussscheine zu wandeln gewesen, um eine Verschlechterung der Eigenkapitalquote zu vermeiden. Die Wandlung hat unser Mitgesellschafter zum Stichtag nicht im erforderlichen Umfang vorgenommen, weshalb der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA vom Verband eine Geldbuße in Höhe von 5 % der sanktionswürdigen Eigenkapitalverschlechterung auferlegt wird. Der Vorgang zeigt noch einmal eindrücklich, weshalb das Präsidium weiteren Finanzierungsinstrumenten dieser Art aus der Hand unseres Mitgesellschafters zurückhaltend gegenübersteht. 

Dem von manchem Vertreter der HAM International Limited in der Öffentlichkeit gern erweckten Eindruck, Gesellschafterdarlehen oder Genussscheine wären eine Form von Geschenk des Investors an den Klub, muss widersprochen werden. Das ist mitnichten so. Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ist als Kreditnehmerin zur vollständigen Rückzahlung aller gewährten Kreditmittel samt einer Gegenleistung in Form von Zinsen vertraglich verpflichtet. Daran ist nichts ehrenrührig. Aber es ist auch kein Mäzenatentum. 

Wir halten mittelfristig eine Diversifikation der Kapitalgeber der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA für wichtig, um Risiken abzubauen und Chancen zu erhöhen. Die Lasten im Profifußball müssen auf mehrere Schultern verteilt werden. Es gibt seriöse Interessenten für einen Einstieg als dritter Gesellschafter. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung der beiden bestehenden Gesellschafter, Anteile an der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA abzugeben, sowie eine Neuordnung des Kooperationsvertrags. Im Fall des Vereins würde über einen möglichen Verkauf von Anteilen letztlich die Mitgliederversammlung befinden müssen. Die Vertreter unseres Mitgesellschafters haben in der Aufsichtsratssitzung einem entsprechenden Vorschlag des Vereins, die Option zu überdenken, eine spontane Absage erteilt.

Die Konsolidierung und Restrukturierung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ist wirtschaftlich dringend erforderlich. Wir handeln als Gesellschaftervertreter aus Verantwortung gegenüber dem Klub und seinen vielen Mitgliedern im Verein, indem wir auf diesem Prozess bestehen. Er ist Aufgabe der Geschäftsführung. Wir werden sie als Verein dabei bestmöglich unterstützen.  

In den kommenden drei Jahren werden sich viele Partner und Sponsoren ebenso wie die Mitglieder und Fans des Vereins leidenschaftlich für den TSV 1860 München engagieren. Für diese Unterstützung sind wir dankbar und sicher, dass sie Früchte trägt.

Durch umsichtiges Wirtschaften, eine geschickte Transferpolitik und kluges sportliches Handeln lässt sich Substanz erzeugen. Der TSV 1860 München braucht Mitarbeiter, die diese Herausforderung tatkräftig annehmen. 

München, den 20. März 2019,

Robert Reisinger, Heinz Schmidt, Hans Sitzberger

6 Responses

  • Der Sparkurs führt direkt zum Untergang und in die Bedeutungslosigkeit
    Wie es Vereinen wie
    Wacker München und anderen ergangen ist
    aber bei diesem Präsidenten
    nur Logisch
    Schade um 1860 München

  • Das ist doch mal eine richtige Klarstellung und nicht das übliche rumgeeier mit irgendwelchen Gerüchten… Danke dafür, Herr Reisinger & Co

    Erstaunlich finde ich die Blockadepolitik der HAM… Alles ablehnen (auch neue Kredite!) und sich zu nichts bekennen. Nicht Mal ein Verkauf der Anteile ist für die im Fokus…
    So steigern sich aber auch nie der Wert der Anteile.

    Liebe Vertreter des eV: Macht konsequent weiter mit dem eingeschlagenen Konsolidierungskurs. Wir Löwen halten zusammen!

    ELiL

    Jürgen

  • Diese Klarstellung war überfällig!
    Weiterhin viel Erfolg!
    Meine Unterstützung haben Sie!

    Mit löwenstarken Grüßen
    Christoph Nadler

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich hoffe , dass man vieleicht einen Kompromiss erreicht in dieser Angelegenheit.
    Nachdem was ich lese, in allen Internett Foren muss die Zusammenarbeit nicht einfach sein.
    Es wäre gut nach 2011 endlich mal ein bisschen vorwärts zu kommen.
    Der Aufstieg aus der RL darf nicht umsonst gewesen sein. Ich persönlich unterstütze den Tsv 1860 Abteilung Fussball als normales Mitglied so gut wie möglich.
    Vieleicht wird etwas möglich mit Sponsorengewinnung, damit wir nicht wieder in der RL anfangen müssen, und viel Erfolg bei den Stadion Gesprächen.

    Ich hoffe auf die Stadt München.

    ELIL

  • An die Vorstandschaft: Bevor Ihr Euch in Grabenkämpfen mit dem Mitgesellschafter aufarbeitet, seht lieber zu dass Ihr potente Sponsoren auftreibt!!! Ich möchte auch in Zukunft Profifußball sehen!!!

  • KLUGES wirtschaftliches Handeln ist eine Voraussetzung für die Zukunft.

    Nachdem die Unvernunft in der Nach-Wetzel-Ära angefangen hat und in der Riedl-Ära vehement weitergegangen ist (ja, auch ich war beim 3:1 Ende 1977 selig), hat das System Wildmoser (ja, auch ich hab im Nov 1999 die ganze Nacht durchgefeiert, allein mit meinem Hund und drei Sektflaschen an einem schwedischen Waldsee) systembedingt (!) den GAU mit der ArenaPleite produziert (ja, auch ich hab die Arena-Einweihung 2005 fröhlich&trunken gefeiert). Aber der Super-GAU-Abstieg 2017 hat mir endgültig die Augen geöffnet.

    VERNUNFT!
    Deswegen: Reisinger-Stil. Langsam. Vernűnftig. Meine Kinder (& Enkel ab Aug2019) wollen ja auch noch was von den Löwen haben. Und die Zukunft dauert noch LANG!
    EinmalLøweImmerLøwe!

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