Birgit Kober wird mit Weltrekord Europameisterin

Birgit Kober hat es geschafft! Die Kugelstoßerin des TSV 1860 München holte bei der Para Leichtathletik-EM im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin ihre sechste EM-Goldmedaille. Dabei verbesserte die 47-jährige ihren eigenen Weltrekord auf 11,79 m.

Schon im ersten Wurf wurde die Münchnerin ihrer Favoritenrolle gerecht, stieß die Kugel auf den neuen Para-EM-Rekord von 10,91 m. Im zweiten Versuch überquerte sie erstmals die 11-m-Marke um 10 cm. Der dritte Wurf war dann der Weltrekord von 11,79 m. Damit verbesserte sie ihre Bestmarke gleich um 23 cm. Es folgten noch 11,58 m, 10,72 m und 11,49. Eine Wahnsinnsserie!

Für die Löwin Birgit Kober ist es der sechste Europameisterschaftstitel. Drei Mal war sie Paralympics-Siegerin und vier Mal Weltmeisterin. Mit der Kugel und dem Speer, ab 2011 zunächst im Rollstuhl, seit 2016 in der stehenden Klasse und nur noch mit der Kugel. „Wenn ich stoße, merke ich meine Behinderung nicht“, so die Pädagogin im Vorfeld der EM in Berlin.

Seit ihrer Jugend leidet Birgit an epileptischen Anfällen. 2007, mit Mitte 30, hatte sie einen besonders lang anhaltenden Anfall und wurde im Krankenhaus mit einer zu hohen Medikamentendosis behandelt. Seither leidet sie an einer Ataxie, einer Störung der Bewegungskoordination, und ist größtenteils auf den Rollstuhl angewiesen. Allerdings brachten ihr das Training in der Para-Leichtathletik nicht nur viele Medaillen, sondern auch genug Stabilität, um wieder stehen und kurze Strecken gehen zu können.

So entschied sie sich Anfang 2016 zu einem Wechsel der Startklasse. Eine Regeländerung schrieb damals vor, dass Athleten im Rollstuhl künftig so festgeschnallt sein müssen, dass sie keine Kraft mehr aus den Beinen generieren können. Seitdem stößt die Löwin stehend in der Startklasse F36.

Nach dem Wechsel sei „sehr, sehr viel harte Arbeit“ nötig gewesen. Ausgestattet mit Knieschonern und Helm übte sie das stehende Stoßen. „Heute sieht das vielleicht leicht aus, aber ich zähle auch nicht mehr, wie oft ich gestürzt und wieder aufgestanden bin“, erzählt Birgit Kober. Nach sechs stehenden Stößen sei sie völlig ausgepumpt. „Ich strotze nicht vor Kraft, wie viele meinen, ich bin damit echt am Limit!“

Ihre Erfolgsserie konnte Birgit jedoch fortsetzen. Nach zwei Goldmedaillen im Rollstuhl (Kugel und Speer) 2012 in London gewann sie 2016 in Rio stehend Kugelstoß-Gold. Und sie hält den Weltrekord in der Startklasse F36, bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr hat sie ihn bereits auf 11,56 m verbessert, nun bei der Heim-EM auf 11,79 m.

Weiß-blaue Unterstützung in Berlin erhielt die Athletin von den Verwaltungsratsmitgliedern Sebastian Seeböck und Robert von Bennigsen sowie Norbert Oxée, der sich als Gönner für den Behindertensport bei den Löwen engagiert. Nach dem Wettkampf feierte das Trio mit der Goldmedaillen-Gewinnerin den Sieg im Restaurant „Lutter & Wegner“ am Berliner Gendarmenmarkt. Natürlich gab es auch Glückwünsche vom Präsidium des TSV München von 1860 zum EM-Titel und Weltrekord.

Ein großes Ziel hat Birgit noch, die zur treibenden Kraft in der neu geschaffenen Behindertensport-Abteilung der Löwen zählt: die Paralympics 2020 in Tokio. Es wären ihre dritten Spiele.

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