Futsal: „Wir sind bei Schritt eins von Hundert“

Der 27-jährige Edin Kulasic ist in München aufgewachsen, hat sein Abitur am Theodolinden-Gymnasium gemacht, Sportwissenschaften studiert, zählte zum Kreis der kroatischen Nationalmannschaft und kümmert sich nun mit Co-Trainer Alexey Burdman um einen spannendes Projekt in unserem Verein. Im Interview mit dem Sechzger spricht Kulasic über Training auf Eisfeldern, die ersten Testspiele und Wochen mit der neuen Mannschaft sowie Löwen-Tugenden, die langfristig zum Erfolg führen sollen. 

Edin, Futsal wird eigentlich in der Halle gespielt, wodurch euer Sport vom Wetter unabhängig ist. Inwiefern ist trockenes Wetter für den Trainingsbetrieb deiner Mannschaft derzeit dennoch wichtig?

Kulasic: Nachdem wir wegen der allgemein bekannten Hallenproblematik in München gezwungen sind, draußen zu trainieren, ist schönes beziehungsweise trockenes Wetter enorm wichtig für uns. Im Mai konnten wir beispielsweise nur einmal trainieren, was uns weh getan hat. Die Feldhandballplätze, auf denen wir momentan trainieren, sind mehr als 20 Jahre alt. Sobald es nieselt, wird der Platz zum Eisfeld und damit unbespielbar. Wir sind also vorerst auf das Wetter angewiesen.

Um auf das Sportliche zu blicken: Wie sind die ersten Wochen mit der neu gegründeten Mannschaft generell verlaufen?

Kulasic: Trotz der wenigen Einheiten im Freien sehe ich bereits einige taktische und technische Verbesserungen der Spieler. Das sind jede Woche ein paar kleine Details, doch diese Nuancen reichen mir. Um es zu verdeutlichen: Wir sprechen von Mikroverbesserungen, nicht von großen Sprüngen. Auf einer Skala von 0 bis 100 sind wir aktuell bei 1. Wir haben noch einen sehr langen und steinigen Weg vor uns. Auch die Testspiele haben uns gezeigt, wie blauäugig wir noch spielen. Diese Niederlagen sind eingeplant gewesen, genauso wie künftige Niederlagen. Man kann nicht von einer neugegründeten Mannschaft, die aus reinen Rasenfußballern besteht, erwarten, dass gleich alles klappt. Das wichtigste ist, dass wir charakterlich tolle Leute in unserem Team und viel Spaß zusammen haben. Der Erfolg wird mit der Zeit von alleine kommen.

Was sind die markanten Punkte, die Du und dein Trainerteam den Jungs bis zum Saisonstart beibringen wollen?

Kulasic: Der wichtigste Punkt für uns ist die mentale Spielphilosophie des Futsals sowie die Beherrschung sämtlicher Grundtaktiken und Spielsysteme. Ohne diese Basis können wir langfristig keinen Erfolg aufbauen.

Du sagst, dass Niederlagen eingeplant sind. Ihr hattet bereits Testspiele, unter anderem in Frankfurt. Was setzen die Spieler bereits gut um?

Kulasic: Überrascht war ich, dass die Spieler die komplexe und anstrengende Verteidungsformation schnell über weite Strecken nahezu perfekt umgesetzt haben.

Wie verläuft die Organisation, das Projekt Futsal beim TSV 1860 voranzutreiben? Was wollt Ihr verbessern?

Kulasic: Aktuell klappt die Organisation gut, die meisten Aufgaben teilen wir untereinander auf. Ich möchte hier lobenswert Viktor Garasevic und Marc Lamberger erwähnen, die mich bei organisatorischen Aufgaben wirklich großartig unterstützen. Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern, angefangen von den Trainingsstätten bis hin zu Übernachtungen von Auswärtsspielen. Wir wollen „Scouts“ die uns gute Spieler sichten, Unterstützer im Sponsoring und Marketingbereich. Aktuell suchen wir noch einen zweiten Torwarttrainer, da unser Torwarttrainer Marc Lamberger auch am NLZ des TSV 1860 als Jugendtrainer eingebunden ist und diese Aufgabe für ihn Priorität hat. Zudem suchen wir einen Social Media Manager und einen Teammanager, wobei weiterhin alle ehrenamtlich arbeiten werden.

Die Saison beginnt Anfang Oktober, voraussichtlich direkt mit dem Heim-Spieltag der Löwen. Ihr habt eine komplett neu zusammengesellte Mannschaft – verpflichtet der Name TSV 1860 dennoch, um die Meisterschaft mitzuspielen?

Kulasic: Aktuell sieht es so aus, dass wir am 22. Oktober die Bayernliga eröffnen dürfen. Ich empfinde absolut keine Verpflichtung und keinen Druck. Erst in der dritten Saison sehe ich mich verpflichtet, den Titel zu gewinnen. Jeder kennt die Geschichte des TSV 1860: Sechzig ist ein Traditions- und Arbeiterverein. Genau mit diesen Tugenden wollen wir uns den Erfolg Stück für Stück erarbeiten. Zunächst aber heißt es lernen, wachsen, trainieren. Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn wir wie der SSV Jahn Regensburg in der vergangenen Saison Meister werden – gleich in der Premierensaison. Dieses Jahr ist die Bayernliga aber stärker und startet mit sechs anstatt vier Mannschaften. Mit Deisenhofen und Passau kommen zwei sehr spielstarke Teams hinzu. Den FC Deisenhofen sehe ich als absoluten Favoriten, weil die Mannschaft mit vielen hochklassigen Spielern dekoriert ist. 

Wie wertvoll ist es, Herzblut-Löwen wie etwa Torwart Armin Mujdzic im Team zu haben, die sich als Spieler und Fans voll mit dem Verein identifizieren? Im Probetraining im April hat dein Trainerteam beispielsweise einen Spieler scharf kritisiert und nicht angenommen, nachdem dieser mit einer Hose des roten Rivalen auf den Platz kam.

Kulasic: Natürlich wäre es perfekt, nur eingefleischte Löwen im Team zu haben, die auf dem Platz ihr Leben für den Verein lassen würden. Unsere Ur-Löwen verkörpern den Verein. Wir können aber bei der Spielerrekrutierung nicht nur darauf schauen. Im Futsal ist fußballerisches Können – vor allem eine gute Ballbehandlung – notwendig, ansonsten können unsere Träume und Ambitionen nie realisiert werden. Ich lege viel Wert darauf, dass sich die Spieler geehrt fühlen, für 1860 spielen zu dürfen, auch wenn sie keine geborenen Löwen sind. Jeder Spieler in meinem Team respektiert den Verein und identifiziert sich mit ihm.

Dein Trainer- und Organisationsteam arbeitet komplett ehrenamtlich, obwohl ihr lizensierte Trainer habt, die wegen ihrer Qualifikationen in anderen Vereinen Honorar verlangen könnten. Was treibt die Trainer um dich und Ex-Futsal-Profi Alexey Burdman an?

Kulasic: Jeder Funktionär bei uns arbeitet für die gemeinsame Vision: Die Nummer 1 im Futsal zu werden! Wir wollen irgendwann Deutscher Meister werden, wir wollen Futsal-Nationalspieler stellen, wir wollen eines Tages in die Champions League. Aber: Wir wollen das nicht mit geschenktem Geld! Wir wollen es uns erarbeiten, mit unserem Herzblut, unseren Tränen und unserem Schweiß. Es gibt kein schöneres Gefühl auf der Welt, als hart erarbeiteten, sprich ehrlichen Erfolg. Bei uns ist man nicht in traditionelle Denkmuster festgefahren, jeder im Team kann seine Stärken ausleben und sich verwirklichen. Das ist unsere Philosophie und unser Antrieb. Ob wir die Visionen umsetzen können, das steht in den Sternen. Futsal beim TSV 1860 ist und bleibt ein spannendes Aufbauprojekt für uns Verantwortliche.

Noch bleibt Zeit bis zum Saisonbeginn. Können sich interessierte Spieler und Betreuer weiterhin dem Aufbauprojekt anschließen?

Kulasic: Ja, wir sind immer auf der Suche nach interessierten Futsalern und Betreuern. Egal, ob im organisatorischen und wirtschaftlichen Bereich oder im Trainingsbetrieb: Interessierte sind jederzeit willkommen. Aktuell besteht unser Kader aus rund 20 Spielern, wobei wir mit 30 Spielern, darunter vier Torhüter, in die Saison starten wollen.

Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung und freuen uns auf euer erstes Punktspiel! Vielen Dank für das Gespräch!

Kulasic: Ebenfalls Danke für das Gespräch. Wir zählen auf die Unterstützung vieler Löwen-Fans bei unseren Spielen!